Filmplakat Der Vater der Braut
7/10

„Komisch. Wenn man einen anderen dazu bringt, dass er sich Sorgen macht, ist man selbst schon drüber weg.“ (Der Vater der Braut, 1950)


Der Vater der Braut

Besprechung

Irgendwann wird es passieren im Leben eines Vaters. Irgendwann wird sein kleines Mädchen erwachsen sein und heiraten. Dann wird er seinen Schatz an einen anderen Mann verlieren. Diese Erfahrung muss auch Stanley Banks (Spencer Tracy) machen. Seine kleine Katherine (Elizabeth Taylor), sein “Kätzchen”, will heiraten. Für Stanley bricht eine Welt zusammen.

Es ist nicht nur der Schmerz darüber, dass Kay nun flügge ist, es bleibt auch die Frage, wer dieser Buckley Dunstan (Don Taylor) ist, den sie da heiraten will? Immerhin soll Stanley sein Kind in die Hände dieses Fremden geben. Wird Buckley Kay versorgen können? Hat der junge Mann vielleicht schon eine Frau? Oder zwei? Oder drei? Aus was für einem Stall kommt der? Der Mann hat es doch bestimmt auf das Geld von Stanley abgesehen. Schließlich sind dann da auch noch die Kosten, oh die Kosten.

Zum Schluss lässt sich Stanley doch breitschlagen und stattet die Hochzeit groß aus – für seine kleine Kay. Ehefrau Ellie (Joan Bennett), sieht die ganze Aktion eher gelassen. Sie weiß, was es heißt, auf seine Traumhochzeit zu verzichten.

Meinung von

Der Vater der Braut ist eine ganz leise Komödie. Es gibt eigentlich kaum Lacher. Es sind die Situationen, in denen sich Stanley befindet, seine Reaktionen. Das sind nie große Gesten, sondern feine Nuancen, ein nachgesprochenes Wort, eine Augenbraue. Dennoch ist der Film nach dem Roman von Edward Streeter ein schöner und lustiger Film.

Spencer Tracey spielt den liebenden Vater, der vor die grausame Tatsache gestellt wird, dass seine Tochter, sein Ein und Alles, heiraten will. Sie wird das Haus verlassen und einen anderen Mann als ihren Vater anhimmeln. Das zeigt auch die eigene Vergänglichkeit und das Alter. Das will niemand erfahren. Doch so ist der Lauf der Dinge. Das heißt jedoch nicht, dass dieser Umstand leicht hinzunehmen ist.

Stanley ist zunächst absolut auf Ablehnung getrimmt, muss sich dann irgendwann aber doch dem Unausweichlichen beugen. Immerhin will er doch nur, dass sein kleines Mädchen glücklich ist. Regisseur Vincente Minnelli lässt Stanley viel aus dem Off sprechen. Das macht die Melancholie des Vaters noch ein Stück größer und schwerer. Alle anderen neben Tracey spielen im Grunde nur Nebenrollen. Der Name des Films ist Programm, es geht um Stanley.

Der Vater der Braut ist für heutige Sehgewohnheiten extrem ruhig. Viele dürften heutzutage mit dem gemächlichen Tempo ein Problem haben. Wie gesagt, es gibt keine Schenkelklopfer, nicht mal große Lacher, es handelt sich ganz bestimmt nicht um eine Screwball-Comedy war längst vorbei. Dennoch ist der Der Vater der Braut ein witziger Streifen. Er hat Charme. Man leidet förmlich mit Stanley mit. Da passt auch Spencer Traceys trauriger Blick, ebenso seine Haltung, die ausdrückt, dass die halbe Welt auf seinen Schultern liegt.

Wer auf Klassiker, Schwarz-Weiß-Filme, eine sehr junge Elizabeth Taylor und unaufdringlichen Humor steht, ist mit Der Vater der Braut gut bedient. Wer Vater ist und eine Tochter hat, sollte es sich überlegen, ob er mit Stanley mitleiden möchte.

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