Filmplakat Der Rabe
5,5/10

„Diese Vollkommenheit des Verrats erfüllt mich mit tiefer Bewunderung.“ (Der Rabe, 1963)


Der Rabe

Besprechung

In einer dunklen Nacht, Dr. Erasmus Craven (Vincent Price) brütet schwer über den Verlust seiner geliebten Frau Lenore, klopft es leise am Fenster des Magiers. Zunächst erschrocken, lässt er den Vogel hinein. Eigentlich mehr als rhetorische Frage gedacht, fragt er nach dem Namen des Rabens. Der antwortet!

Der Rabe ist in Wirklichkeit der Magier Dr. Adolphus Bedlo (Peter Lorre) und erbittet von Craven Hilfe, der möge ihn bitte wieder in einen Menschen zurückverwandeln. Craven kommt dem Wunsch nach, doch so ganz klappt der Zauber nicht. Der Trank war zu wenig.

Nachdem Bedlo nun doch komplett wieder ein Mensch ist, erzählt er dem Hausherrn, der mächtige Dr. Scarabus (Boris Karloff) habe ihn ob eines Disputs in einen Vogel verwandelt. Nun will Bedlo Rache. Craven möchte davon nichts wissen. Doch Bedlo behauptet, er habe Dr. Cravens verstorbene Lenore bei Dr. Scarabus gesehen. Craven muss dem Geheimnis auf den Grund gehen. In dem Schloss von Scarabus scheint zunächst alles in Ordnung, doch dann geraten Craven und Scarabus aneinander. Ein magisches Duell entbrennt.

Meinung von

Der Rabe basiert auf dem gleichnamigen Gedicht von Edgar Allan Poe. Allerdings haben Film und Gedicht nur die ersten Strophen gemeinsam. Danach dreht der Film voll ab. Poe hat den Raben nicht als verzauberten Magier erscheinen lassen. Auch lernen wir bei Poe nicht Lenore (Hazel Court) kennen. Und einen Dr. Scarabus gibt es ebenfalls nicht. Egal.

Die Filmadaption — diese Bezeichnung ist im Grunde völlig falsch, eine echte Literaturverfilmung ist das nicht — ist ein klassischer Horror-Film aus den 60ern. Billig, bunt, schlechte Schauspieler. Seien wir mal ehrlich: Vincent Price war doch hauptsächlich gut im Augenbrauenhochziehen — was ich übrigens auch prächtig kann. Als eine Nebenfigur sehen wir übrigens den jungen Jack Nicholson, als Sohn von Dr. Bedlo. Auch der spielt schlecht. Ist nun mal so.

Dennoch bringt Der Rabe irgendwie Spaß. Aus dem Gedicht wurde eine lustige Gruselgeschichte gestrickt. Also aus heutiger Sicht ist das alles weit, weit von Grusel entfernt, aber damals war es schon was. Auch die Trickeffekte dürften damals toll gewesen sein. Heutzutage begeistert das keinen 7-Jährigen mehr.

Der Rabe ist ein nettes Verwirrspiel. Lebt Lenore noch? Ist der sonst so gefürchtete Dr. Scarabus wirklich so böse? Was spielt Dr. Bedlo für eine Rolle in diesem Stück? Aus einigen Versen eines der berühmtesten US-amerikanischen Gedichte wurde eine magische Geschichte gestrickt. Man muss schon ein Nostalgiker sein, um den Streifen wirklich genießen zu können. Am besten schaut man ihn sich in einer Gewitternacht an. Dann könnte er tatsächlich noch ein wenig Gruselstimmung verbreiten.

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