Filmplakat Der Marshall
8/10

„An- oder erschossen?“ (Der Marshall, 1969)


Der Marshall

Besprechung

Der Vater der forschen Mattie Ross (Kim Darby) wurde von dem eigenen Angestellten Tom Chaney (Jeff Corey) erschossen. Mattie reist nach Fort Smith, um den Leichnam ihres Vaters abzuholen. Doch sie hat noch ein anderes Geschäft im Hinterkopf. Sie will den Mörder ihres Vaters finden und hängen lassen. Gerüchte besagen, dass sich Chaney der Bande von Ned Pepper (Robert Duvall) angeschlossen hat. Und der versteckt sich oft im Indianer-Reservat. Da kann der Sheriff nicht hin. Nur ein Marshall darf dort hinein.

Mattie sucht sich den härtesten Marshall aus, der verfügbar ist: Marshall “Rooster” Cogburn (John Wayne). Der ist einäugig, griesgrämig, ein Trunkenbold und sein Revolver hängt sehr locker. Das junge Mädchen geht einen Vertrag mit Cogburn ein, er soll ihr gegen Bezahlung helfen, Chaney dingfest zu machen.

Den beiden schließt sich der Texas-Ranger La Boeuf (Glen Campbell) an, der ebenfalls hinter Chaney her ist. Zunächst wollen die beiden Männer Mattie abhängen, doch die ist extrem hartnäckig und hängt wie eine Klette an ihnen dran. So machen sich die Drei auf die gefährliche Jagd nach Ned Pepper und seinen Gesellen, in der Hoffnung, dass auch Chaney dabei ist.

Meinung von

Der Film nach dem Roman von Charles Portis wurde seinerzeit für drei Oscars nominiert, Hauptdarsteller John Wayne bekam schließlich den Oscar als bester Hauptdarsteller. Er spielt den griesgrämigen, alkoholsüchtigen und schießwütigen Mann sehr gut. Sein Gegenpart, die damals 22-jährige Kim Darby, die um einiges jünger wirkt, gibt ihm aber auch gute Vorlagen. Mattie Ross soll bestimmt um die 16 Jahre alt sein. Nicht mehr unbedingt ein Kind, aber irgendwie musste ich stets an ein Kind denken. Nun sind Kinder in Filmen in der Regel die letzte Pest und machen so gut wie jeden Film kaputt. Doch bei Mattie Ross ist das anders. Sie ist frech, aber nicht unhöflich. Sie weiß um ihre Rechte und wie sie diese einfordern kann, wird niemals vorlaut oder nervig. Da wird auch schon mal ein Pferdehändler knallhart in Grund und Boden argumentiert. Sehr erfrischend. Aber — sie war ja auch kein Kind mehr.

Dieses manchmal starrköpfige Verhalten prallt zuweil mit solche Macht gegen die grummelige Wand namens Cogburn, dass dieser nicht anders kann, als verdutzt dreinzuschauen. Hartes Raubein im einen Moment, im nächsten ein alter Mann, der unter dem Pantoffel eines jungen Mädchens steht. Dieses Zusammenspiel macht richtig Spaß.

Dann haben wir noch den Texas-Ranger La Boeuf. Der ist dem Marshall eigentlich ein Dorn im Auge, doch man arrangiert sich. Jedoch nicht, ohne sich dabei ständig zu sticheln.

Der Marshall braucht vielleicht ein wenig, bis er in Fahrt kommt, aber just in dem Moment, als ich noch genau diesen Gedanken hatte, sackte die Erkenntnis durch, dass der Film dieses Erzähltempo braucht, um alle Charaktere hinreichend zu entwickeln.

Wie es für einen Western von "damals" gehört, ist die Paramount-Produktion doch ziemlich farbenfroh. Das mag nicht immer passen, ebenso wenig die teils sehr lustige und typische Western-Musik (die übrigens auch für einen Oscar nominiert war). Gerade die Musik stört manchmal. Man weiß nicht, ob man in einem Drama ist, in dem ein Mädchen auf Rache aus ist, oder in einer Komödie. Der Marshall ist wohl beides.

Zum Ende wirkt der Film etwas hingerotzt aus, wenn Cogburn mit der verwundeten Mattie zum nächsten Arzt schnellt. Aber angesichts der Tatsache, dass man im Vorfeld gut unterhalten wurde und mit Blick auf das Alter des Streifens, schaue ich einmal darüber hinweg.

In Der Marshall sieht man auch eine Entwicklung im Charakter John Waynes, der mit der Zeit eine gewisse Zuneigung und damit einen Beschützerinstinkt zur jungen Frau entwickelt. Wayne bleibt also nicht bei einem Typ stehen.

Gute Unterhaltung für den Sonntagnachmittag, wenn man Western und John Wayne mag. Aber wer mag das nicht? :-) Nicht schlecht habe ich geschaut, als plötzlich Dennis Hopper in einer kleinen Rolle auftauchte. Und Robert Duvall hatte schon in jungen Jahren das schüttere Haar auf dem Haupt.

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