Filmplakat Der Mandant

5,5/10

"He's not criminal. He's just retarded." — Der Mandant, 2011

Der Mandant

Besprechung

Mick Haller (Matthew McConaughey) ist ein aalglatter Rechtsanwalt. Er kennt jeden Trick und spielt alle und jeden aus. Der geschiedene Mann und Vater lässt sich gerne von seinem Chauffer Earl (Laurence Mason) durch die Gegend kutschieren. Am liebsten sind Mick Klienten mit dicker Geldtasche.

Eines Tages wird ihm ein neuer Mandant empfohlen. Louis Roulet (Ryan Phillippe) kommt aus reichem Hause. Er wird beschuldigt, eine Prostituierte überfallen und halb zu Tode geprügelt zu haben. Louis schildert den Vorgang jedoch völlig anders. In seiner Geschichte wollte die Frau ihn ausnehmen. Mick übernimmt den Fall.

Bei den Untersuchungen zu dem Fall, bei denen Mick von seinem Kumpel Frank Levin (William H. Macey) unterstützt wird, muss der Rechtsanwalt feststellen, dass sein Klient gar nicht so ein netter Zeitgenosse ist. Ganz im Gegenteil. Aber dummerweise handelt es sich hierbei um seinen Kunde, den er irgendwie freigesprochen bekommen muss. Auch wenn es nicht richtig ist und nicht schmeckt.

Meinung von

Das ist so ein Film, der nach einer ganz klassischen Erzählstruktur aufgebaut ist. So haben wir das alle in der Schule gelernt: langsamer Spannungsaufbau, hin zum Höhepunkt, dann schnelles Ende. Allerdings ist diese "langsam aufbauen"-Phase bei Der Mandant sehr lang. Irgendwann wird Mick klar, dass er einen schlimmen Finger an der Angel hat, den er eigentlich nicht mehr vertreten will und auch gar nicht kann. Louis muss hinter Gittern. Als der junge Mann seinem Anwalt noch droht, ist alles für den Zuschauer klar. Jupp, der ist böse. Jetzt gilt es nur noch herauszufinden, wie Mick aus der Sache herauskommt.

Matthew McConaughey spielt den abgebrühten, coolen Anwalt zunächst sehr überzeugend. Dann bekommt er langsam mit, dass sein Mandant ein Arschloch ist und — schwupps — ist die Figur Mick in einem ganz tiefen Loch. Elend hier, Elend dort. Hat mich schon gewundert, wie dieser starke Umbruch zustande kommen konnte. Nach einiger Zeit jedoch, kommt Mick wieder auf den Pfad des glatten, gewieften Anwalts, der Pläne schmiedet, wie er aus der Zwickmühle herauskommen kann, in der er sich befindet. Diese Auflösung zu verfolgen ist schon ganz nett anzusehen und hat einen gewissen Spannungspegel. Dieser ist jedoch nicht hoch. Es ist irgendwie eine angenehm prickelnde Spannung. Mehr nicht.

Ryan Phillippe bleibt ziemlich blass. Es wird zwar schon klar, dass er echt mies und fies ist, aber Angst kommt nicht richtig auf. Da gibt es schaurigere Schurken, bedrohlichere Bösewichte. Vielleicht liegt's an dem geringen Mienenspiel, das einfach keine Emotion zeigt. Auch die anderen Personen sind nur Hintergrundmusik. William H. Macey, der Mann, der in jedem zweiten Hollywood-Film mitspielt, wird schnell gekillt, hat davor allerdings auch nicht viel zu sagen. Das, was von ihm kommt, sorgt immerhin für Lacher. Marisa Tomei, die Micks Ex-Frau spielt, hat ebenfalls nur eine kleine Rolle. Der Mandant findet also im Grunde zwischen McConaughey und Phillipp statt — und das auch nur irgendwie lauwarm.

Der Mandant hat eine nette Story, eine gewisse Spannung, "knallt" aber nicht. Wenn er später bei den Privaten läuft und auf den anderen Kanälen so rein gar nichts abgeht, dann kann man ihn sich getrost anschauen. Ins Kino muss man dafür nicht unbedingt gehen. Er ist nicht schlecht. Er ist jedoch auch nicht sonderlich gut. Man sieht ihn, man vergisst ihn.

Wir sahen ihn in der Sneak im Streit's (†). Es gab sogar eine Freikarte für mich ...

Im Original heißt der Film The Lincoln Lawyer, was ich etwas übertrieben finde. So oft hält er sich gar nicht in dem Wagen auf. Naja.