Filmplakat Der letzte König von Schottland
8,5/10

„Ich werde erst sterben, wenn ich es sage.“ (Der letzte König von Schottland, 2006)


Der letzte König von Schottland

Besprechung

Nicholas Garrigan (James McAvoy) kommt aus einer wohlhabenden schottischen Familie. Er hat gerade seinen Doktor gemacht und will nur noch raus aus seinem beengenden Elternhaus. Also lautet die Divise: Der erste Ort auf den er auf seinem Globus zeigt, da geht es hin. Sein Finger bleibt auf Uganda. Afrika? Warum nicht? Das Abenteuer ruft.

In Uganda arbeitet er zunächst in einer kleinen Mission. Es ist 1971 und Präsident Obote wurde gerade durch einen Staatsstreich von seinem obersten Militär Idi Amin (Forest Whitaker) abgesetzt. Amin und Garrgigan treffen durch einen dummen Zufall aufeinander und der neue Präsident Ugandas ist von dem Schotten gleich angetan. Das liegt unter anderem daran, dass Amin ein großer Fan von Schottland ist — die Briten hingegen hasst er.

Amin bietet dem jungen Mann den Job als sein Leibarzt an. Garrigan willigt ein. Von nun an lebt er in der Hauptstadt Kampala, wo er eine Menge Annehmlichkeiten genießt. Erst langsam kommt die unangenehme Seite Amins ans Tageslicht. Der bullige Präsident wird gereizt und paranoid. Erst viel zu spät erfährt Garrigan von den Gräueltaten, die Amin an seinen Landsleuten — den ihm unangenehmen oder ihn störenden — ausüben lässt.

Meinung von

Der Film von Regisseur Kevin Macdonald nimmt sich eines ernsten Themas an und vermischt es geschickt mit Fiktion. Er zeigt die Figur Idi Amins, wie sie wohl tatsächlich war. Er soll begeisterungsfähig gewesen sein, aber auch — besonders später — paranoid und grausam in seinen Entscheidungen. Während seiner Herrschaft sollen auf seinen Befehl hin 30.000 Menschen ums Leben gekommen sein. In Uganda fand man Massengräber, die davon zeugen. Forest Whitaker ist hier ideal besetzt. Man kennt ihn eher als netten, ruhigen Charakter. Whitaker kann man nichts übel nehmen — doch plötzlich steht ein wirr redendes Monster vor uns. Whitaker spielt klasse. Sein Spiel wurde zurecht mit einem Oscar als bester Hauptdarsteller belohnt. Der Wandel Amins vom "netten" Kerl hin zum verrückten Despoten ist schleichend, aber intensiv.

Amins-Geschichte auf der einen Seite, mischt Macdonald die Erzählung mit der fiktiven Gestalt des schottischen Doktors. Amin soll wirklich eine Vorliebe für Schottland gehabt haben. James McAvoy ist ein kleiner Junge, der die große, weite Welt erleben will. Dieser Berg von Mann, den Amin abgibt, dieser Berg, der sich manchmal wie ein kleines Kind aufführt und freut, den schließt Garrigan ins Herz. Dafür lässt er auch die Arbeit in dem Dorf hinter sich. Amin beschenkt ihn — was kann da schon schief gehen? In Der letzte König von Schottland wird von der Freundschaft dieser zwei Männer erzählt, und wie die Bande im Laufe der Zeit zerbricht. Garrigan muss schließlich die Gefährlichkeit Amins erkennen und versucht aus Uganda zu fliehen.

McAvoy spielt seine Rolle auch gut. Er wirkt nur manchmal etwas "seltsam" mit seinen schlechten Zähnen. Gegen Whitaker bleibt er jedoch blass. Dafür spielt Whitaker zu gut.

Regisseur Macdonald meinte, es gäbe lediglich einen historischen Punkt, den sie von Amin genommen und mit der Figur Garrigans verknüpft haben. Eine Frau von Amin, Kay Amin (Kerry Washington), soll tatsächlich eine Affäre gehabt haben, wofür Idi Amin sie umbringen ließ. Doch im echten Leben soll das keine Beziehung zu einem weißen Mann gewesen sein. Hier wurde von künstlerischer Freiheit Gebrauch gemacht.

Ein starker Film. Schon weil es nicht Fiktion ist, sondern eine Art Geschichtsstunde. Dabei wird uns ein Bild gezeigt, das wir entweder aufgrund später Geburt niemals direkt mitbekommen haben, aber von dem wir auch sonst kaum etwas gehört hätten. Uganda? WTF? Wer interessiert sich denn schon dafür, wenn sich da Schwarze gegenseitig abschlachten? Solange keine wirtschaftlichen Interessen der westlichen Welt betroffen sind, ist das doch schnurz. — Eben nicht! Deswegen ist so ein Film wichtig. Mit einer spannenden Geschichte, nämlich der des jungen, naiven Arztes, wird Historie geschickt präsentiert. Der letzte König von Schottland ist ein Film, auf den man sich einlassen muss. Das ist keine leichte Kost. Langweile kommt nicht auf. Gerade in der Schlussphase, am Flughafen, saß ich mit den Fingern in die Sessellehne gekrallt, so spannend war das.

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