Filmplakat Der General
6,5/10

„If you lose this war don't blame me.“ (Der General, 1926)


Der General

Besprechung

Der amerikanische Bürgerkrieg neigt sich dem Ende zu. Allerdings wird noch fleißig gekämpft. Der Lokführer Johnnie Gray (Buster Keaton) will sich aus Liebe zu Annabelle Lee (Marion Mack) ebenfalls einschreiben lassen. Doch im Rekrutierungsbüro lehnt man ihn ab — als Lokführer ist er für den Süden wichtiger. Annabelle und ihre Familie halten Johnnie für einen Feigling.

Was niemand ahnt: Der Yankee Captain Anderson (Glen Cavender) plant mit einem kleinen Trupp, in den Süden vorzustoßen, dort einen Zug zu stehlen und auf dem Weg in den Norden den Nachschub aus dem Süden zu sabotieren.

Anderson macht den Fehler, dass er Johnnies Zug, den General, stiehlt. Johnnie macht sich mit einem anderen Zug auf den Weg, seinen General zu retten. Im Zug befindet sich auch Annabelle, die von Anderson als Geisel genommen wird.

Meinung von

Buster Keaton hatte seine Kurzfilm-Phase hinter sich gelassen und war seit wenigen Jahren dabei, auch längere Geschichten zu erzählen. Zu den bekanntesten Werken des frühen abendfüllenden Programms gehört natürlich Der General. Der Film hat nicht den typischen chaotischen Witz von Keaton, aber doch einige erstaunliche Stunts und vor allem eine durchaus solide Geschichte.

Der General ist eine Art Road-Movie, nur auf Schienen. Zuerst ist Johnnie hinter seinem heiß geliebten Zug Der General hinterher, nicht wissend, dass an Bord seine andere Liebe zu finden ist — Annabelle. Die Verfolgungsjagd bietet viele aberwitzige Ideen: eine riesige Kanone, Holzmangel, Holz auf den Schienen, vertauschte Rollen. Johnnie gelangt in feindliches Gebiet und findet hier seine Annabelle. Die denkt er sei ein Held und habe sich auf den Weg gemacht, sie zu retten ...

Auf dem Weg gen Süden – Johnnie will wichtige Informationen über einen Angriff der Nordstaatler weitergeben – ist es nun Johnnie, der verfolgt wird. Aber auch diesmal ist der General vorne.

Knapp 70 Minuten dauert der Film und auch wenn es "nur" ein Stummfilm ist, so passiert doch einiges und der Streifen hat ein ordentliches Tempo am Leibe. Ja, aus heutiger Sicht wirkt der Film "altbacken", aber der ist auch schon 90 Jahre alt! Keaton, der die Geschichte zusammen mit Clyde Bruckman geschrieben hat (beide führten auch Regie), packt eine Menge Stoff in die 70 Minuten. Es werden zudem viele Statisten und große Kulissen aufgefahren. Vor allem, wenn der Kampf zwischen Nord- und Südstaaten am Fluss stattfindet, werden viele Statisten vor die Kamera gescheucht. Es handelt sich also nicht um einen "kleinen Film".

Der General sollte man durchaus mal gesehen haben. Allerdings mit der Vorwarnung, dass hier der Mann mit dem traurigen Blick noch nicht voll aufdreht. Auch ist er kein Harold Lloyd (Ausgerechnet Wolkenkratzer), der immer spritziger war. Es ist das lakonische Keatons, seine traurige, regungslose Mine, gepaart mit den kuriosen Zufällen, die ihm passieren, die auch Der General sehenswert machen.

Etwas schal schmeckt natürlich, dass unser Held ein Südstaatler ist. Na, da schauen wir mal drüber hinweg. Am Ende gibt es übrigens ein Happy End. Wer hätte es gedacht? Johnnie wird durch wahnsinnig viele dumme Zufälle ein Held. Also irgendwie. Es zahlt sich am Ende auf alle Fälle für ihn aus.

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