Filmplakat Der Fall Paradin
4/10

„Man kann von niemand Besitz ergreifen, auch wenn man ihn noch so liebt.“ (Der Fall Paradin, 1947)


Der Fall Paradin

Besprechung

Auf einmal steht die Polizei vor der Tür und verhaftet die junge Witwe Mrs. Paraden (Alida Valli). Sie steht im Verdacht, ihren Mann, den blinden General Paraden vergiftet zu haben. Ihr Rechtsberater Sir Simon Flaquer (Charles Coburn) ist schnell zur Stelle. Er weist der attraktiven Frau den aufstrebenden, knallharten Rechtsanwalt Anthony Keane (Gregory Peck) zu. Der Ehemann ist schnell angetan von Mrs. Paradin, was seine Frau Gay (Ann Todd) ebenso schnell mitbekommt. Doch sie steht erst einmal zurück und lässt ihren Mann gewähren. Sie weiß, vielmehr hofft, dass Anthonys Liebe zu ihr obsiegen wird.

Anthony setzt alles daran, die Unschuld von Mrs. Paradin zu beweisen. War es vielleicht Selbstmord? Immerhin war der Verstorbene blind und des Lebens überdrüssig. Oder war es doch Mord, aber nicht Mrs. Paradin hat dem General das Gift gegeben, sondern dessen getreuer Diener Andre Latour (Louis Jourdan). Anthony setzt alles auf diese Karte, reist sogar auf den Landsitz der Paradins, um sich ein Bild von Latour zu machen. Als Mrs. Paradin davon Wind bekommt, ist sie kein Stück amüsiert und ist sogar bereit, Anthony von seinem Amt zu entbinden. Doch der will die Wahrheit herausfinden.

Meinung von

Einer der schwächeren Hitchcock-Filme. Nur zwei Jahre früher hatte der britische Regisseur und Meister des Suspense bereits mit Gregory Peck in Ich kämpfe um Dich zusammengearbeitet. Der Film ist um Längen besser. Der Fall Paradin basiert auf der Romanvorlage von Robert Smythe Hichens. Was Hitchcock daraus gemacht hat, ist eher seichte Kost. Spannung, also das, wofür Hitchcock doch eigentlich bekannt ist, kommt bei dem Film nicht wirklich auf. Die Hauptdarstellerin Alida Valli stellt eine kühle, unnahbare Frau dar. Das macht sie gut, aber im Grunde ist sie nur sehr ausdruckslos. Gregory Pecks Figur ist der schönen Mrs. Paradin verfallen. Aber das kommt nicht so richtig rüber. Er hat keinen Biss, keine echten Gewissensbisse oder innere Zerrissenheit - etwas, das ich von seiner Figur in so einer Situation durchaus erwartet hätte.

Als ich Alida Valli das erste Mal sah, war ich etwas verwundert: Hitchcock lässt doch sonst immer blonde Frauen in seinen Filmen auftreten? Bis die blonde Ann Todd auftrat. Ihre Figur der liebenden Ehefrau ist noch mit die interessanteste Person in diesem Film. Sie sieht, wie ihr Mann sich in eine andere Frau verliebt, doch sie glaubt fest an ihn. Sie hat sich in einen standhaften und gewissenhaften Mann verliebt. Auch wenn er mittlerweile erfolgreich ist und in den Rechtsanwaltskreisen weit oben mitspielt, glaubt sie immer noch daran, dass er immer das Richtige machen wird. Dazu gehört auch, sich nicht von seiner Frau zu trennen.

Man kann aber nicht einen Film nach einer Nebenrolle bewerten. Valli und Peck bleiben blass, der Film unspannend. Die Gerichtsszene zieht sich scheinbar ewig und irgendwann gibt es dann eine Auflösung, die aber sehr unbefriedigend und langweilig ist. Man kann eben nicht immer eine exzellente Arbeit abliefern ...

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