Filmplakat Das große Rennen rund um die Welt
7,5/10

„Ich finde es etwas unfair, ihre weiblichen Reize als Waffen zu benutzen.“ (Das große Rennen rund um die Welt, 1965)


Das große Rennen rund um die Welt

Besprechung

Das 20. Jahrhundert ist noch relativ jung, tollkühne Männer versuchten in allen möglichen Disziplinen Rekorde aufzustellen. Einer dieser Männer ist der Große Leslie (Tony Curtis), ein Strahlemann vom Herrn, ein Frauenschwarm und ein Rekordebrecher par excellence. Wenn er lächelt, blitzen seine Zähne. Das absolute Gegenteil ist Professor Fate (Jack Lemmon). Der Professor hasst den Großen Leslie. Der Professor ist mürrisch, verbissen und hinterhältig. Zusammen mit seinem Gehilfen Max (Peter Falk) sabotiert er auch schon den einen oder anderen Rekordversuch vom Großen Leslie. Meist ohne Erfolg.

Da es kaum noch Dinge zu erobern gibt, schlägt der Große Leslie der Automobilfabrik Webber Motor vor, ein spektakuläres Rennen zu fahren, das nebenbei zeigen soll, wie großartig diese amerikanische Automarke ist. Das Rennen soll von New York nach Paris gehen. So etwas hat es noch nie gegeben.

Der Professor fährt natürlich auch mit. Sein selbst gebautes Fahrzeug, das “Hannibal 8″, bietet diverse Methoden, sich unliebsamer Gegner zu erwehren. Wobei Max schon im Vorfeld die anderen Fahrzeuge sabotiert. Ebenfalls an dem Rennen nimmt die emanzipierte Journalistin Maggie Dubois (Natalie Wood) teil. Sie fährt in einem eigenen Auto für den New York Sentinel. Doch schnell gibt ihr Wagen den Geist auf. Obwohl Leslie Maggie wegen ihrer forschen Art nicht ausstehen kann, ist er dennoch Gentleman genug, sie in der Wüste aufzunehmen. Sehr zum Leidwesen von Leslies Gehilfen Hezekiah Sturdy (Keenan Wynn).

Die Reise ist gespickt mit Abenteuern, sei es im Wilden Westen, in der bitterkalten Arktis oder in dem kleinen europäischen Land Karpanien. Hier wird ein Komplott geplant vom bösen Baron von Stippe (Ross Martin). Der sieht in Professor Fate das Ebenbild zum Prinzen Hapnik (Jack Lemmon). Der ist ein wenig debil und/oder ständig betrunken. Professor Fate soll den Platz vom Prinzen bei der Krönung einnehmen und dann abdanken. Doch da hat der Baron nicht mit Leslie gerechnet.

Meinung von

Regisseur Blake Edwards ist bekannt für seine derben Komödien. Angesicht dessen, wann seine Filme entstanden sind, ist das nicht das Gleiche, wie es das heute ist. Mit "derbe" ist gemeint, dass wir hier einen Schenkelklopfer-Humor vor uns haben, Filme, die derbe Spaß machen. Nichts unter der Gürtellinie, nichts peinliches. Aber eben auch nicht der feine, leise Humor. Das große Rennen rund um die Welt ist eine Hommage an die Slapstick-Filme der Stummfilmära. Das fängt schon mit einer beinahe dreieinhalb Minuten dauernden Ouvertüre an. Nur Musik. Sonst nichts. Wenn der Film dann endlich losgeht, sieht man noch eine Widmung: der Streifen ist im Gedenken an Mr. Laurel und Mr. Hardy – also beiden großartigen Komiker "Dick und Doof".

Es soll noch einige Zeit ins Land gehen, bevor endlich das eigentliche Rennen beginnen kann. Vorher nimmt sich Edwards Zeit, die beiden Kontrahenten sehr ausführlich vorzustellen. Vor allem bei Professor Fate bekommt der Zuschauer schon viele Slapstick-Einlagen geboten, die den guten Jack Lemmon sehr trottelig dastehen lassen. Hier hätte man gerne etwas kürzen können.

Der Große Leslie ist der strahlende Held, immer in weiß gekleidet und selbst bei der größten Tortenschlacht der Filmgeschichte bleibt Leslie unbefleckt. Überall fliegen farbenfrohe Torten, jeder ist eingesaut – nur Leslie läuft schneeweiß herum. Professor Fate hingegen ist immerzu in schwarz gekleidet und wirkt wie eine Fledermaus.

Die Nebenhandlung mit Maggie und Leslie ist rührend. Die Reporterin ist quirlig und aufgedreht. Sie will für die Rechte der Frauen kämpfen, Gleichberechtigung für alle! Doch Leslie ist eher konservativ eingestellt. Es braucht etwas Zeit und einige tausend Kilometer, um zu kapieren, dass er diese starke, selbstbewusste Frau liebt. Am Ende beweist er ihr das auch in einer sehr großen Geste.

Jack Lemmon, der mit Tony Curtis schon in Manche mögen's heiß zusammengespielt hat, gibt alles, was er hat. Er schaut augenbrauenwackelnd, lacht hysterisch und das ein oder andere Mal wird man tatsächlich an die liebestolle Daphne aus Manche mögen's heiß erinnert. Das ist vor allem der Fall, wenn er den bekloppten Prinzen spielt.

Trotz einiger Längen hat Das große Rennen rund um die Welt seinen Reiz. Der Film unterhält, ist lustig, ist überdreht – eben eine Hommage an alte Slapstick-Filme. Man muss also abgedrehten, wilden Humor mögen, sonst ist der Streifen nichts für einen. Anstatt 160 Minuten hätte der Film gerne auch nur 120 dauern dürfen. Dabei hat er nicht einmal wirklich Längen. Es sind einfach nur zu viele kleine Geschichten aneinandergereiht.

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