Filmplakat Das erstaunliche Leben des Walter Mitty
8,5/10

„Beautiful things don't ask for attention.“ (Das erstaunliche Leben des Walter Mitty, 2013)


Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Besprechung

Gute 16 Jahre arbeitet Walter Mitty (Ben Stiller) nun schon im Foto-Archiv des LIFE-Magazins. Er ist schüchtern und flieht sich oft in Tagträumerei. In letzter Zeit kreisen seine Träume oft um die Mitarbeiterin Cheryl (Kristen Wiig).

Eines Tages kommt Walter in die Firma und muss erfahren, dass das Magazin verkauft wurde. Die letzte Ausgabe steht an. Da muss ein großartiges Foto für die Titelseite her. Der renommierte Fotograf Sean O’Connell (Sean Penn) hat genau das richtige Bild geschickt. Es befindet sich auf dem Negativ Nummer 25.

Doch das Negativ ist verschwunden!

Der Nachlassverwalter Ted Hendricks (Adam Scott) macht Walter die Hölle heiß. Er will dieses Negativ haben!

Walter versucht anhand der umliegenden Negative auf dem Abzugbogen herauszufinden wo sich Sean aufhält. Der Tagträumer macht sich auf den Weg nach Grönland. Und noch weiter …

Meinung von

Das Jahr sollte man mit einem schönen Film beginnen. Letztes Jahr war Silver Linings der erste Streifen, diesmal also Das erstaunliche Leben des Walter Mitty.

Ben Stiller, den man eher aus den schrägen und schrillen Komödien kennt, spielt einen ruhigen, dünnen, grauen Mann. Er lebt in einem grauen Hochhaus mit Linoleum-Fußboden im Treppenhaus. Sein Leben ist langweilig, so dass er sich immerzu in seine Träume verliert. Hier ist er waghalsig, kühn und wild. In seinen Träumen schafft er es auch, seine Angebetete anzusprechen. Das ist alles bitter-süß anzuschauen.

Erst als Walter seine gewohnte Umgebung verlässt und am echten Leben teilnimmt, verrückte Abenteuer erlebt, schwinden langsam seine Träume. Das könnte mit einem Knall passieren, aber in Das erstaunliche Leben des Walter Mitty geht Regisseur Ben Stiller behutsam mit seiner Figur um. Die Abenteuer sind skur­ril – keine Frage –, aber dennoch immer irgendwie im Rahmen des Glaubwürdigen. Seine Erlebnisse sind nur noch eine Erinnerung an Träume.

Als Verbindung zum "echten", bzw. alten Leben dient der Flirt-Plattform-Mitarbeiter Todd (Patton Oswalt), den Walter am Anfang des Film wegen einer Supportfrage anruft. Todd meldet sich immer wieder mal und erfährt die wunderlichsten Dinge von Walter.

An zwei oder drei Stellen dachte ich, der Film könnte gerne etwas schneller erzählt werden. Doch dann setzt die Musik ein, oder die wunderbaren Landschaften streifen über die Leinwand und schon war der Gedanke vergessen. Das ruhige Tempo ist dem Film sehr angemessen und passt. Man darf also keine schnelle, rotzige Stiller-Komödie erwarten. Das ist ein neuer Humor des Zoolander-Darstellers. Stillers traurige Augen und seine etwas abgemagerte Figur passen schön in das Bild des Walter Mitty.

Neben Stiller und den leisen Humoreinlagen (die mich teilweise zu lautem Lachen animierten), sind es die oben erwähnten Landschaftsaufnahmen, die dem Film noch das gewisse Etwas mitgeben. Wir sehen das raue, karge Grönland. Daneben das grüne und schattenreiche Island. Bis wir mit Walter in den Himalaya hinaufsteigen. Immer auf der Suche nach Sean und der Antwort darauf, wo das Negativ 25 ist. Außerdem gefallen mir solche netten Spielereien wie die Botschaften an Wänden und auf dem Fußboden sehr. Das gibt dem ganzen Film noch eine verträumtere Note — abseits von Walters Tagträumen.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty ist herzensgut, schön, witzig, warm und absolut sehenswert.

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte von James Thurber. Diese wurde auch schon 1947 als Das Doppelleben des Herrn Mitty mit Danny Kaye in der Hauptrolle verfilmt. Die Neuverfilmung ist natürlich zeitgemäßer ...

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