Filmplakat Das Boot
9/10

„Jetzt wird's psychologisch, meine Herren.“ (Das Boot, 1981)


Das Boot

Besprechung

Die Taktik der Deutschen, britische Frachter während des zweiten Weltkrieges mit U-Booten zu zerstören funktionierte eine Weile ganz gut. Bis die Briten Zerstörer mitschickten. Immer mehr deutsche U-Boote wurden versenkt.

1941 läuft U-96 aus La Rochelle aus. Kapitän Henrich Lehmann-Willenbrock (Jürgen Prochnov) hat eine neue Crew, viele Maulhelden sind dabei. Das Boot hat einen Fahrgast. Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer) soll für die Marine einen Kriegsbericht verfassen.

U-96 fährt lange im Atlantik herum, ohne einen konkreten Auftrag zu erhalten. Lange Wochen trifft das Boot auf keine Feinde. Die Nerven der Crew werden immer mehr angespannt. Dann kommt es doch zu Feindberührungen. Allerdings verlaufen die nicht im besten Sinne für das deutsche U-Boot.

Nach einem erfolgreichen Einsatz, bei dem mehrere Frachter versenkt werden konnten, wird U-96 von einem Zerstörer hart unter Beschuss genommen. Das angeschlagene U-Boot erhält danach den Befehl Spanien anzulaufen, um Proviant und Diesel aufzunehmen. Der letzte Befehl lautet, durch die Straße von Gibraltar zu fahren. Ein Himmelfahrtskommando.

Meinung von

Der Film basiert auf den Erlebnissen von Lothar-Günther Buchheim, der tatsächlich Kriegsberichterstatter war. Das Boot erschien ist verschiedenen Versionen. 1981 kam eine Kinofassung heraus, die allerdings stark gekürzt ist. Später wurde eine längere, mehrteilige TV-Serie daraus. Schließlich kam 1997 der Director's Cut heraus, der von der Länge her zwischen erster Kinofassung und TV-Serie liegt.

Buchheim hat 25 Jahre gebraucht, um psychisch in der Lage gewesen zu sein, seine Erlebnisse zu Papier zu bringen. Das Boot spielt zwar im Zweiten Weltkrieg und ist ein Kriegsfilm, aber kein verherrlichender. Der Film zeigt viele schreckliche Seiten des Krieges. Da ist zum einen die Tatsache, dass viele der Matrosen unglaublich jung waren. Man zog ein, was man bekommen konnte. Der Kapitän ist der Älteste im Boot, er wird sogar im Film hin und wieder "Der Alte" genannt. Nicht ohne Grund.

Dann ist da die klaustrophobische Situation in einem U-Boot an sich. Viel zu viele Menschen auf zu engem Raum, umgeben von Wasser. Willenbrock macht einen Testtauchgang bis auf 230 Meter Tiefe. Überall schiebt sich das Metall zurecht und macht grausame Geräusche. Später, wenn das Schiff vor Gibraltar sinkt, geht es auf unglaubliche 280 Meter Tiefe: eine ungeheure Belastungsprobe für das U-96, aber auch für die Besatzung. Das Boot könnte ihr nasses Grab werden. Bolzen fliegen raus, Wassereinbrüche an mehreren Stellen und immer wieder die akustische Erinnerung, dass Tonnen von Wasser auf die Außenhaut von U-96 drücken.

Regisseur Wolfgang Peterson zeigt (im Director’s Cut) Monotonie und Langweile, wenn die Mannschaft auf einen Einsatz wartet. Willenbrock will seinen Dienst verrichten, das bekommt man sehr wohl mit. Es fallen aber keine nationalsozialistischen Parolen. Der einzige stramme Soldat ist sein erster Wachoffizier ( I. WO) (Hubertus Bengsch). Der hat sich freiwillig aus Mexiko in den Kriegsdienst für sein Vaterland begeben - und wird dafür von seinen Kollegen nur schief angeschaut. Wie kann man die Sonne Mexikos gegen das nasse, dunkle, beengte Leben in einem Kriegs-U-Boot tauschen? Der I. WO trägt immer korrekte Kleidung, rasiert sich – im Gegensatz zu allen anderen – und gibt sogar Fähnrichsunterricht.

Für Willenbrock gehts s nicht um Ideologie, es geht schlicht um "Wir gegen die". Und "die" sind in diesem Fall die Briten. Der "Alte" regt sich darüber auf, wie "die da oben" den Krieg führen. Er wartet auf einen Einsatz, gondelt irgendwo im Atlantik rum und trifft in der Weite des Meeres sogar ein anderes deutsches U-Boot – während an wichtigen Positionen kein U-Boot den Briten Einhalt gebietet. Das kann Willenbrock nicht verstehen, das schürt seinen Zorn auf die Entscheider in ihren Zentralen.

Das Boot ist ein Anti-Kriegsfilm. Das wird während des Films klar, das sollte sich auch dem Letzten erschließen, wenn man das Ende sieht. Die Crew hat viel durchgemacht und gelitten. Mit letzter Kraft schafft es U-96 wieder in La Rochelle einzufahren – da bricht die Hölle los. In diesem Schluss zeigt sich noch einmal eindrucksvoll wie sinnlos und wahnsinnig Krieg ist. Im Vorspann wird erwähnt, dass von 40.000 U-Boot-Männern 30.000 starben.

Das Boot war für viele Schauspieler das Sprungbrett, um im deutschen Filmgeschäft bekannt zu werden. Hier sind zu nennen: Heinz Hoenig, Jan Fedder, Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge oder Ralf Richter. Der junge Hubertus Bengsch sollte der einzige sein, der nicht mehr allzu oft vor der Kamera agierte – dafür ist er ein sehr gefragter Synchronsprecher.

Neben den schnellen Kamerafahrten durch das enge U-Boot und die Stimmung beeindruckt Das Boot natürlich durch die Musik von Klaus Doldinger. Die Titelmelodie sollte jeder kennen.

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