Filmplakat Cop Car
5,5/10

„This is our Cop Car now!“ (Cop Car, 2015)


Cop Car

Besprechung

Die beiden Ausreißer Travis (James Freedson-Jackson) und Harrison (Hays Wellford) finden kurz nach Aufbruch ins Ungewisse irgendwo im Nirgendwo ein Polizeiauto. Die beiden Jungs nähern sich vorsichtig dem verlassenen Vehikel an, nur um festzustellen, dass niemand weit und breit ist. Travis setzt sich ans Steuer. Als er die Autoschlüssel findet, wagt er es – der Motor geht an; und so schaukeln die beiden Freunde über die trockenen Steppen Colorados dahin.

Während die Jungs im gestohlenen Polizeiwagen unterwegs sind, verscharrt Sheriff Kretzer (Kevin Bacon) eine Leiche. Als er zurückkommt, staunt er nicht schlecht. Schnell versucht er alle Spuren zu verwischen und macht sich auf den Weg, seinen Dienstwagen wiederzubekommen. Dafür muss der Gesetzeshüter noch das eine oder andere Verbrechen extra begehen.

Derweil spielen Travis und Harrison mit den im Wagen gefundenen Waffen. Bis sie eine weitere Entdeckung im Kofferraum des Polizeiautos machen.

Meinung von

Die Grundidee ist nicht schlecht. Kleine Jungs stehlen verlassenen Polizeiwagen, dreckiger Sheriff versucht wieder an das Auto heranzukommen, weil er noch Beweise im Kofferraum hat. Nun hätte sich die Geschichte zuspitzen, einen spannenden Höhepunkt finden können. Leider bleibt der Streifen von Regisseur Jon Watts hinter den Erwartungen zurück.

Der Film fängt locker an. Zwei Zehnjährige gehen fluchend über die Steppe, lassen ihren Trailer Park hinter sich. Als sie den Wagen finden, nähern sie sich wie scheue Tiere dem ungeheuren Auto an. Travis ist der Mutige, Harrison der eher Schüchterne. Gemeinsam machen sie eine Spritztour, die zunächst unbeschwert und lustig ist. Cop Car ist tatsächlich an vielen Stellen dank der beiden Jungschauspieler recht amüsant. So ungern ich Kinder im Film sehe, Freedson-Jackson und Wellford bleiben angenehm nicht nervend. Kinder können jeden Film kaputt machen, doch hier haben wir zwei Kinder, die die Geschichte gut tragen. Sie entdecken den Polizeiwagen und alles, was darin ist, auf spielerische Art und Weise.

Kevin Bacon ist der Bösewicht in dem Film. Das kann er gut. Das haben wir zuletzt bei X-Men: Erste Entscheidung gesehen, aber auch bei Super. In Cop Car wirkt er zunächst ein wenig tollpatschig. Wenn er mit seiner Tasche über die Felder läuft, um wieder an seinen Wagen zukommen, dann schaut das unfreiwillig komisch aus. Doch Sheriff Kretzer ist nicht lustig. Er hat Drogen gebunkert, einen Menschen umgebracht – und es sieht fast so aus, als ob das nicht das erste Mal gewesen wäre. Es sollte zumindest nicht das letzte Mal sein, wie die Jungs feststellen müssen. Im Kofferraum entdecken sie einen blutig geschlagenen Mann (Shea Whigham).

Plötzlich finden sich die beiden Freunde in einer sehr gefährlichen Situation. Auf der einen Seite hat der Sheriff über Funk mit ihnen Kontakt aufgenommen und fordert seinen Wagen zurück. Auf der anderen Seite ist hier ein Opfer des Sheriffs, das jedoch weit davon entfernt ist, hilflos zu sein.

Watts hätte hier viel mehr Dramatik und Spannung reinbringen können. Die Jungs im Spannungsfeld zwischen zwei gefährlichen Parteien. Doch er lässt sich schlicht zu viel Zeit. Cop Car fließt langsam, ganz langsam dahin. Es ist fast so, als würde sich der Regisseur auf die Seite von Harrison stellen, der sich auch nicht traut, den Polizeiwagen schneller als 30 Mph zu fahren. So wie sich Harrison den Spaß entgehen lässt, so lässt auch Watts diese Chance verstreichen. Eigentlich ist Cop Car ein kurzer Film mit seinen 86 Minuten, streicht man allerdings den Streifen auf alles Nötige zusammen, käme man bestimmt auf nur rund eine Stunde Filmmaterial. Dabei sind dann aber auch noch weite Strecken enthalten, in denen nichts gesagt wird.

Der anfängliche Humor weicht später Slapstick, wenn der Mann aus dem Kofferraum versucht den Sheriff in einen Hinterhalt zu locken und versucht, sich auf freiem Feld zu verstecken. Cop Car ist keine Komödie, aber auch nicht böse genug für einen Thriller. Irgendwie will er von allem etwas sein und scheitert daran. Bis auf Whigham machen die Schauspieler alle ihre Sache gut, doch die Idee wird nicht richtig ausgereizt.

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