Filmplakat Cincinnati Kid
6/10

„Was du bezahlt hast war der Zuschauerpreis. Unterricht kostet extra.“ (Cincinnati Kid, 1965)


Cincinnati Kid

Besprechung

Es scheint so, als würde niemand den jungen Eric Stoner, der sich überall nur als Cincinnati Kid (Steve McQueen) bekannt ist, im Poker-Spiel schlagen können. Jeder hat bei ihm Schulden und Kid fängt an sich zu langweilen. Ihm bleibt nur ein ultimativer Kitzel: ein Spiel gegen den Meister Lancey Howard (Edward G. Robinson). Lancey hat vor Jahren Kids Mentor und Freund Shooter (Karl Malden) ausgenommen. Shooter spielt nur noch wenig, meistens ist er Geber im Spiel.

Es kommt zum Duell zwischen Kid und Lancey. Doch kämpfen hier nicht nur zwei brillante Pokerspieler gegeneinander. Ein weiterer Pokerspieler namens Slade (Rip Torn), ein Mann mit Macht und viel Geld, will auf Kid wetten. Da er ungern verliert, will er seine Chancen beeinflussen. Er hat etwas gegen Shooter in der Hand, weshalb der das Spiel manipulieren soll. Kid will aber aus eigener Kraft gewinnen und es der Welt beweisen, dass er der beste Pokerspieler ist.

Hinter den Kulissen spielen die Frauen noch eine wichtige Rolle. Kids Freundin Christian (Tuesday Weld) verlässt ihn und gleichzeitig wird der junge Spieler von Shooters Frau Melba (Ann-Margret) angegraben.

Meinung von

Cincinnati Kid ist eine blasse Figur. Er weiß, dass er gut ist, hält sich für den Besten. Dennoch strahlt er es nicht aus. Ja, die vielen Spieler in New Orleans hat er in die Tasche stecken können. Doch der Meister Lancey Howard, ein in die Jahre gekommener Gentleman-Spieler, ist am Ende keiner von Kids normalen Gegnern. Dabei warnt ihn Shooter noch. Kid kennt die Geschichte in und auswendig, wie Lancey Shooter ausgenommen hat. Doch daraus will er nicht lernen.

Durch die fade Darstellung von Steve McQueen könnte der Film eigentlich schlechter sein. Doch es sind die Randgeschichten, die den Streifen noch etwas Würze geben. Da haben wir den reichen, ehrgeizigen Slade. Er will nach einer Niederlage gegen Lancey den Meister auf andere Art demütigen. Kid soll für ihn den alten Mann am Pokertisch schlachten. Doch glaubt der nicht an das Talent von Cincinnati Kid. Deshalb erpresst er Shooter, der soll dem jungen Spieler gute Karten dealen. Shooter ist aber ein ehrlicher Mann. Bis seine Schlange von Frau, Melba, ihn anstachelt. Shooter ist alt, hat kein regelmäßiges Einkommen – aber eine schöne Frau, der man etwas bieten muss, eine Frau, die fordert. Das macht sich auch Slade zunutze.

Der Film Cinsinnati Kid basiert auf dem Roman von Richard Jessup, der sich stark von The Hustler (Haie der Großstadt, 1961) aus der Feder von Walter Tevis, hat beeinflussen lassen. In beiden Filmen haben wir einen jungen Könner, der einen alten Champion herausfordert. In beiden Filmen soll der so vielversprechende Jungstar scheitern. Allerdings ist das in Haie der Großstadt mit Paul Newman um Längen besser umgesetzt. Newman nimmt man seine Figur ab. Newmann geht auf in der Figur des Eddie Felson. Steve McQueen bleibt seinem Charakter erschreckend fern. Newman zeigt Emotionen und wir nehmen ihm seinen Wunsch ab, den Großmeister zu schlagen. Doch Kid ist nur von einem lauen Wunsch getrieben. Da helfen auch nicht Steve McQueens blauen Augen, die eiskalt in die Kamera starren.

Karl Malden kommt hingegen besser rüber. Seine Figur ist warmherzig und man sieht, dass er als gealterter und gescheiterter Spieler eine Menge zu verlieren hat. Darunter auch seine Frau. Ich habe mehr mit Shooter als mit Kid mitgefiebert.

Ann-Margret hatte zwar vor Cincinnati Kid schon ein paar Filme gedreht habt, ich denke allerdings einmal, dass dieser Streifen sie einem breiten Publikum bekannt machte. Ein gutes Beispiel dafür, dass Schönheit nicht alles ist. Ihre schauspielerische Darstellung ist grausam schlecht. Wenn sie mit Kid beim Hahnenkampf ist und "super intensiv" schauen soll … ist das von minderer Qualität.

Bemerkenswert ist vielleicht noch die Kameraführung. Oft haben wir 90-Grad-Einstellungen von oben. In der Eingangseinstellung bewegt sich die Kamera gar aus dieser Perspektive in eine leichte Froschperspektive. Das zu der damaligen Zeit mit den damaligen Kameras? Muss ein ganz schöner Akt gewesen sein.

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