Filmplakat Chronicle – Wozu bist du fähig?
6,5/10

„You can't use it when you're angry!“ (Chronicle – Wozu bist du fähig?, 2012)


Chronicle – Wozu bist du fähig?

Besprechung

Andrew Detmer (Dane DeHaan) ist ein Außenseiter. Seine Mutter liegt im Sterben, sein Vater schlägt ihn, niemand mag ihn. Eines Tages beschließt er, alles mit einer Videokamera aufzunehmen. Das trägt nicht dazu bei, beliebter in der Schule zu werden.

Einziger Freund ist sein Cousin Matt Garetty (Alex Russell), der ihn immer zur Schule fährt.

Eines Abends nimmt Matt Andrew mit zu einem Rave. Im nahen Wald finden Matt und sein Kumpel Steve Montgomery (Michael B. Jordan) ein Loch im Boden, aus dem seltsame Geräusche kommen. Sie holen Andrew dazu, um das zu dokumentieren, wenn sie in die Tiefe steigen. Was sie dort unten finden, verändert ihr Leben.

Fortan haben die drei telekinetische Kräfte. Dinge bewegen per Gedankenkontrolle? Kein Ding. Das geht so weit, dass sie auch sich selber bewegen können – sprich sie können fliegen.

Das Leben könnte so unbeschwert und cool sein, doch Andrews Stimmung verdüstert sich mit dem Krankheitsgrad seiner Mutter immer mehr. Während Matt Regeln für die drei Jungs fordert, fängt Andrew an, eine andere Weltanschauung zu entwickeln.

Meinung von

Im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights, dem kleinen Bruder des Fantasy Filmfests, das normalerweise im Sommer abgehalten wird, sahen wir diesen in den USA gelobten Film. Weder einer der Schauspieler sagte uns etwas, noch der Regisseur Josh Trank. Das muss ja nichts Schlimmes sein, das kann im Gegenteil ganz erfrischend sein.

Chronicle greift das Thema des Superwesen-Werdens-durch-Kometen auf. Es wird kein Superhelden-Film, da wir hier drei Highschool-Kids haben, die einfach nur Spaß haben wollen. Den haben auch die Zuschauer, wenn das Trio ihren Schabernack mit den Kunden in einem Laden treiben. Es kommt immer wieder zu netten Schmunzlern, nie jedoch zu echten Brüllern. Chronicle ist somit schon mal keine Komödie.

Bei dem Streifen handelt es sich eher um ein Drama. Was zuerst Spaß ist, gerät langsam bei Andrew aus dem Ruder. Andrew, der geschlagene, der nicht gemochte Junge, hat nun Macht. Macht, die er besser beherrscht als seine beiden Freunde, Macht, die ihm zu Kopfe steigt. Darunter leidet seine Umwelt.

Der Film greift das Thema der Selbstbetrachtung auf. Von Anfang an sehen wir die subjektive Kamera. In Laufe des Films werden die zappeligen Aufnahmen ruhiger, weil Andrew seine Kamera neben sich fliegen lässt. Ein Segen für alle Subjektive-Kamera-Hasser.

Chronicle plätschert 84 Minuten vor sich hin. Große Action gibt es erst am Ende des Films. Die Tricktechnik ist ordentlich, wenn auch nicht faszinierend. Am Anfang des Films sehen wir Andrew, wie er jeden Kleinmist aufzeichnet. Wo er isst, wer die Rowdies in seiner Straße sind etc. Das ist zäh und langweilig, soll aber zeigen, wie einsam Andrew ist.

Ich hätte mir gerne mehr Zerrissenheit bei Andrew gewünscht. Steve ist "Beiwerk" und Matt Andrews positiver Gegenpol. Matt wird während des Films etwas "besser", das bemerkt auch seine Flamme Casey Letter (Ashley Hinshaw).

Chronicle kann man sich anschauen, er hat eine interessante Grundidee, geht mir aber nicht weit genug, bleibt zu brav. Worüber ich jedoch froh bin, ist die Tatsache, dass es kein "Der Staat macht Jagd auf mutierte Superwesen-Teenager"-Film ist. Es wird sich schon nur auf die drei Jungen, ihre Kräfte und die Frage konzentriert, was man mit solchen Kräften anfangen kann.

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