Besprechung
Mitten im Kalten Krieg, 1957, wird der russische Spion Rudolf Abel (Mark Rylance) in New York festgenommen. Das Oberbundesgericht will sich nicht nachsagen lassen, dass man dem Spion keinen fairen Prozess gemacht habe. Deshalb wird der Versicherungsanwalt James D. Donovan (Tom Hanks) von der Regierung beauftragt, Abel zu verteidigen.
Donovan nimmt seinen Job sehr ernst. Er versucht Abel sogar frei zu bekommen, muss aber lernen, dass es im Amerika des Kalten Kriegs nicht gut ankommt, wenn man sich auf die Seite der Russen stellt. Es kommt sogar zu einem Anschlag auf sein Haus. Für den verhandelnden Richter Byers (Dakin Mathews) ist es klar: Der Russe muss auf den elektrischen Stuhl. Donovan kann den Richter davon überzeugen, dass ein Russe im Gefängnis besser ist. Was ist, wenn man mit den Russen einen Agentenaustausch machen möchte?
Vier Jahre nach der Festnahme und Verurteilung von Abel kommt es dann zu so einem Fall. Der U2-Flieger Francis Gary Powers (Austin Stowell) wurde über Russland abgeschossen, als er im Geheimen Fotos machte. Über Umwege wird Donovan von der angeblichen Ehefrau Abels kontaktiert. Für die CIA ist klar: die Russen wollen einen Austausch. So reist der Rechtsanwalt nach Berlin, wo die Ostdeutschen gerade im Begriff sind, die Berliner Mauer hochzuziehen. Donovan erfährt, dass noch ein zweiter Amerikaner, der junge Student Frederic Pryor (Will Rogers), ebenfalls gefangen genommen wurde. Während die CIA nur Interesse an Powers hat, will Donovan auch Pryor befreien.
Meinung von Nils
Aus einer Fußnote zu einer JFK-Biografie erfuhr Autor Matt Charman von einem Anwalt, den der Präsident engagiert hatte, um über tausend US-Gefangene aus Kuba zu befreien. So ist Charman auf Donovan gestoßen und hat von den Verhandlungen zum Austausch auf der Glienicke Brücke erfahren. Schnell sind die Coen-Brüder Joel und Ethan als Co-Autoren an Bord gekommen. Oder auch: der Film basiert auf echten Personen und Begebenheiten. Natürlich ist ein gewisses Maß an künstlerischer Freiheit eingeflossen.
Spielberg arbeitet hier zum vierten Mal mit Tom Hanks zusammen. (In der Kombination Regisseur/Schauspieler. Als Produzent/Schauspieler hatten die beiden noch weitere Male Kontakt.) Hanks spielt seinen Anwalt ordentlich. Man merkt ihm seine Prinzipien an. Er ist durch und durch Anwalt. Derzeit zwar nur für Versicherungen, er war aber auch bei den Nürnberg Prozessen als Kläger tätig. Abel zu verteidigen ist nicht nur eine Pflicht, auch wenn er weiß, dass er verlieren wird. Er versucht dennoch den Menschen zu sehen, der eine Rechtsvertretung benötigt. Zumal bei der Festnahme nicht alles ganz rund lief.
Mark Rylance spielt seinen Abel sehr traurig und introvertiert. Er malt viel, wenn er nicht gerade irgendwelche Geheimnisse an Mütterchen Russland verteilt. Es war wichtig, dass man als Zuschauer nicht "den guten Donovan" und "den bösen Russen Abel" gezeigt bekommt. Man muss mit Abel mitfühlen können, ihn sympathisch finden. Das hat der britische Ritter so gut gemacht, dass er dafür den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt.
Der Film ist, wie von Spielberg erwartet, grundsolide und sauber umgesetzt. Man hat sehr gute Filmdrehorte gefunden, um das Berlin von 1961, vor allem das Ostberlin, zu zeigen. Während in Westberlin Aufschwung herrschte und Wiederaufbau, haben die Sowjets in Ostberlin die Häuser zerstört gelassen. Als zwielichtigen Ost-Anwalt Vogel sehen wir Sebastian Koch. Donovan verhandelt mit ihm über die Freilassung von Pryor. Gleichzeitig verhandelt der US-Anwalt aber auch mit den Russen über die Freilassung von Powers. Vogel lässt erkennen, dass die Ostdeutschen nicht sonderlich gut auf die Besatzer zu sprechen sind. Auch gibt er zu verstehen, dass es nicht sein kann, dass die USA die DDR nicht als souveränen Staat ansehen. Vogel war bestimmt, gesagt wird es nicht, bei der SED oder der Stasi Mitglied. Zumindest kann er dafür sorgen, dass Donovan für eine Nacht ins Gefängnis kommt.
Der Film hat sich, wie eingangs erwähnt, einige künstlerische Freiheiten herausgenommen. Hauptsächlich um etwas Dramatik in die Geschichte zu bringen. So soll Donovan zum Beispiel nicht miterlebt haben, wie DDR-Bürger an der Mauer erschossen wurden, als sie fliehen wollten.
Bridge of Spies ist gut gemachte Unterhaltung mit Geschichtshintergrund. Er hat mich nicht vom Hocker gerissen, aber am Schluss war ich gut unterhalten.