Filmplakat Blind Side – Die große Chance
7/10

„Ich hatte gesagt, du kannst dich später bedanken... - Jetzt ist später.“ (Blind Side – Die große Chance, 2009)


Blind Side – Die große Chance

Besprechung

Michael Oher (Quinton Aaron), der von allen Big Mike genannt wird, ist ein Berg von Junge. Riesig, breit und doch zurückhaltend. Der Junge hat kein Zuhause, nennt kaum mehr als das, was er am Leibe hat sein Eigen und wird seit jeher von Schule zu Schule geschickt — weil er angeblich dumm ist. Er ist aber gut im Sport.

Irgendwann findet er sich in einer christlichen Schule in Memphis wieder, zusammen mit lauter weißen Kindern. Michael findet keinen Anschluss, seine Noten sind wie gewohnt mies.

Eines Abends fährt die Familie Tuohy nach einem Wettkampf der Tochter nachhause. Mutter Leigh Anne (Sandra Bullock) fällt der Junge auf, der nachts, ohne Jacke bei frostigen Temperaturen durch die Nacht streift. Kurz entschlossen lädt sie Michael in den Wagen und bietet ihm die Couch zum Schlafen an.

Die Familie nimmt Michael auf. Leigh Anne tut alles, um Michael ein Zuhause zu geben. Die Zuneigung zu diesem Jungen wird immer größer, so dass die Tuohys sogar seine Zieheltern werden. Alle, auch der jüngste Tuohy, S.J. (Jae Head), helfen Michael. Er hat so großes Talent fürs Footballspielen, dass Leigh Anne sogar eine Profilaufbahn für ihn sieht. Doch bevor das passieren kann, müssen noch viele Hindernisse, schulische, als auch menschliche, überwunden werden.

Am Ende bleibt die Frage, warum Leigh Anne das alles macht. Ist es für sie oder für Michael?

Meinung von

Es war Sneak-Time im Streit's (†). Als es klar war, welcher Film uns präsentiert wurde, war das Geraune im Saal groß. Am Vortag hatte Sandra Bullock noch den Oscar für genau diese Rolle erhalten, und uns wurde der Streifen prompt vorgesetzt. Wirklich Bock hatten wohl die wenigsten Besucher darauf. Was konnte uns schon erwarten? Ein Herzschmerz-Sülz-Streifen — auch wenn die Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert.

Was wir sahen war aber gar nicht mal so schlecht. Quinton Aaron ist nun einmal riesig, aber er schaut auch unglaublich traurig drein. Die gebeutelte Seele nimmt man ihm gut ab. Die schwere Kindheit wird nicht breit ausgewalzt, sondern immer wieder durch ganz kurze Flashbacks angedeutet. Erst am Schluss sieht man mehr von dem, was Michael geprägt hat.

Ja, die Geschichte des armen Jungen, der von einer reichen Familie aufgenommen wird und mit allen Mitteln — vor allem Liebe und Verständnis — gefördert wird, die ist auf die Tränendrüse drückend schmalzig. Ein bisschen dick aufgetragen. Entgegen meinen Befürchtungen ist The Blind Side jedoch nicht 128 Minuten Drama pur. Der Film hat auch eine gehörige Portion Humor. Der kleine, hässliche Jae Head ist eine Witzquelle, aber auch Sandra Bullocks Figur hat einiges an Humor aufzuwarten.

Leigh Anne ist eine harte Geschäftsfrau und lässt sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen, sie hat ihre Familie unter Kontrolle, auch ihren Ehemann Sean (Tim McGraw). Ihre Herangehensweise an die gesamte Mentoren- und Ersatzeltern-Situation ist zielstrebig und streng. Wie — hoffentlich — jeder Mensch, hat auch Leigh Anne eine weiche Seite. Wenn Michael ihr erzählt, dass er noch nie ein Bett gehabt hat, geht sie schnellen Schrittes aus dem Zimmer, ohne sich etwas anmerken zulassen. Im Nebenzimmer setzt sie sich dann aber doch hin und weint. So ein harter Brocken ist Leigh Anne also nicht.

Ob Sandra Bullocks Darbietung nun wirklich einen Oscar wert war, das mag ich nicht beurteilen. Sie hat jedoch sehr ordentlich gespielt — und vor allem mal "anders", weil härter. Nicht Selbst ist die Braut-hart, sondern "realistisch" hart. Mit einem weichen Kern.

The Blind Side, die wahre Geschichte des All-American-Footballstars Michael Oher, dürfte nicht jedermanns Fall sein, einfach wegen der Tränendrüsen-Szenen. Dank des teils sehr schönen Humors ist der Film nicht durchgefallen. Den Amis dürfte der Film wohl vor allem wegen der Football-Thematik und dem gefeierten Star Michael Oher gefallen haben. Überhaupt, denke ich, war der Film für Amerikaner eher ein Oh- und Ah-Erlebnis, da dort sehr viele Football-Trainer aus der NFL auftreten. Da muss denen einer bei abgegangen sein.

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