Filmplakat Black Gold
5,5/10

„This was not a wedding. It was a declaration of war.“ (Black Gold, 2011)


Black Gold

Besprechung

Anfang des 20. Jahrhunderts treffen die beiden arabischen Fürsten Sultan Amar (Mark Strong) und Emir Nesib (Antonio Banderas) einen Nichtangriffspakt. Zur Stärkung des Pakts übergibt Amar seine beiden kleinen Söhne an Nesib. Beide kommen darüber ein, das Wüstengebiet zwischen ihren Reichen nicht zu betreten.

15 Jahre später sind aus den beiden Jungen Männer geworden. Der ältere Saleeh (Akin Gazi) ist stattlich, der jüngere Auda (Tahar Rahim) ein Bücherwurm. Emir Nesib denkt sehr fortschrittlich. Als eine texanische Ölfirma vor seiner Tür steht und ihm offenbart, dass er auf viel Öl sitzt und damit reich werden könne, schwenkt Nesib auf diesen Pfad. Dumm nur, dass in der neutralen Zone des Wüstenstreifens noch mehr Öl vermutet wird.

Nesib will mit Amar verhandeln, doch der lehnt ab. Also schickt Nesib nach all den Jahren Auda zu dessen leiblichen Vater Amar, um zu verhandeln. Der aufgeschlossene und doch eher schüchterne Auda lernt die Ansichten seines traditionellen Vaters kennen und zieht schließlich für ihn in den Krieg. Auch wenn er das eigentlich nicht will.

Meinung von

Man hätte mehr aus dem Film rausholen können. Er fängt sehr holperig an und lange bleibt einem der Spannungsbogen verborgen. Hier hätte Regisseur Jean-Jacques Annaud gerne das Tempo anziehen können. Die Geschichte an sich ist nämlich gar nicht so schlecht. Auf der einen Seite haben wir den fortschrittlichen Araber, der sich vom Geld locken lässt — dieses aber auch dem eigene Volke in Form von Elektrizität u.ä. zugute kommen lässt. Nesib sieht, dass sein Volk weit hinter der westlichen Welt in einer überholten Zeit lebt.

Auf der anderen Seite haben wir den Vertreter der "alten Schule", Amar. Bei ihm soll der Fortschritt nicht einziehen. Sollte er das, stünde es im Koran. Für ihn zählen Blut und Liebe — aber niemals das Geld.

Prinz Auda ist in der moderneren Welt seines — mittlerweile — Schwiegervaters Nesib aufgewachsen, ist aber seinem Vater verpflichtet und versteht dessen Ansichten, seine Werte. Deshalb lässt sich der sonst so ruhige und friedliebende Auda dazu überreden, für seinen Vater in den Krieg zu ziehen.

Das Spannungsfeld zwischen Moderne und Tradition wird recht gut gezeichnet. Wie bereits erwähnt, hätte man nur gerne das Tempo anziehen können. 130 Minuten dauert Black Gold. Bestimmt hätte man den Film auf 100 Minuten kürzen können, einfach um Tempo reinzubekommen.

Anfangs sagte mir der Regisseur nichts. Ich dachte an einen unbekannten Regisseur, der Gehversuche macht. Deshalb konnte ich die anfänglichen Holperigkeiten im Film auch entschuldigen. Erst zum Schluss wird Black Gold typisch Hollywood — und damit verliert er extrem! Wenn Audas Frau, Prinzessin Leyla (Freida Pinto), den Prinzen nach der Schlacht vor den Stadttoren begrüßt und meint, es täte ihr leid, dass Auda seinen Vater verloren habe, aber — Hey! — man gewinne auch ein neues Leben dazu! *tata* Sie ist schwanger! Das war übelster Hollywood-Kitsch. Und am Ende der kreisende Falke seines verstorbenes Bruders Saleeh (Akin Gazi) — ebenfalls ein Genickbruch für den Film.

Also: Geschichte gar nicht schlecht, Tempo nicht hoch genug, dadurch wird der Film zu lang und am Ende verflacht Black Gold in Hollywood-Kitsch. Antonio Banderas spielt ganz nett, obwohl seine Figur immer etwas dümmlich wirkt. Ist wohl das Stigma des Geldes. Wohingegen Mark Strongs Figur edel rüberkommt — eben ein Traditionsliebhaber. Streng genommen, ist das auch nur eine dumme Schwarz-Weiß-Malerei. Wobei es eine interessante Szene gibt, wenn Auda seine Ansichten gegenüber dem Hofstaat seines Vaters verteidigen muss. Da wird dann der Fanatismus "der alten Welt" sichtbar. Nichts mit Edelmut.

Man sieht sehr viel Blut und totes Getier (Kamele) im Film. Wer also nur romantische Wüstenbilder erwartet, wird enttäuscht. Großer Gewinn ist Audas Halbbruder Ali (Ritz Ahmed), der mit seiner zynischen Art viel Witz einbringt.

Wer gerne Wüstenbilder sieht, eine größer angelegte Schlacht und eine Geschichte über den "Kampf zwischen Moderne und Tradition" anschauen mag, kann sich gerne Black Gold geben. Man muss aber im Hinterkopf haben, dass er nicht wirklich gut umgesetzt ist. Schade eigentlich, haben wir doch dem französischen Regisseur Jean-Jacques Annaud Filme wie Der Name der Rose oder Sieben Jahre Tibet zu verdanken. Eigentlich hätte er wissen müssen, wie man die Geschichte besser erzählt.

hoch