Filmplakat Black Death
7/10

„There is no place in heaven for those who kill.“ (Black Death, 2010)


Black Death

Besprechung

Wir schreiben das Jahr 1348. In Europa wütet die Pest. Der junge Novize Osmund (Eddie Redmayne), der heimlich eine Affäre mit einer Frau hat, schließt sich der Truppe von Ulric (Sean Bean) an. Ulric kommt in das Kloster von Osmund und fragt nach einem Führer für ein bestimmtes Waldgebiet. Dort soll es ein Dorf geben, das von der Pest verschont bleibt. Ulric soll im Namen des Bischofs dem Geheimnis auf den Grund gehen.

Kaum zur Reise gestartet, muss Osmund erfahren, dass Ulrics Auftrag eigentlich ein ganz anderer ist. Der streng gläubige Ritter will in das mysteriöse Dorf, weil sich dort ein Nekromant, ein Totenbeschwörer, aufhalten soll. Wenn ein Mensch stirbt, erweckt dieser die Toten wieder zum Leben – daher auch keine Pest-Opfer. Ulric soll den Nekromant gefangen nehmen und dem Bischof vorführen.

Die Reise durch das verpestete England ist beschwerlich. Vorbei an Leichenbergen und entvölkerten Dörfern zieht die Truppe, bis sie zum Wald kommt.

Osmund, der eigentlich nur mitgekommen ist, um seine Liebste Averill (Kimberly Nixon) wieder zusehen, die er wegen der Pest in seinem Städtchen fortgeschickt hat, wird in dem unheimlichen Dorf vor eine schwere Probe gestellt. Hier herrscht die kühle Langiva (Carice van Houten). Gott existiert in dem Dorf nicht mehr, das müssen die Männer um Ulric schnell lernen.

Meinung von

Die ersten Minuten sind etwas lahm. Wer ist dieser blasse Eddie Redmayne? Wir wollten Boromir - ähh - Sean Bean sehen. Na gut, der kommt dann auch irgendwann an.

Black Death zeigt uns wie in einem Dokumentationsfilm die Verzweiflung, die die Pest ausgelöst hat. Die Krankheit wurde als Strafe Gottes angesehen. Doch wofür? Jeder scheint seine eigene Erklärung dafür zu haben.

Nachdem wir also ein wenig Doku haben, geht es weiter zum "Horror". Böse, wilde Menschen, die die Gruppe angreifen und bestialisch ermordet werden. Die Kampfszenen, die uns Regisseur Christopher Smith da bietet, sind keine leichte Kost. Ein einfacher Hieb mit dem Schwert reicht nicht. Da wird noch kräftig "nachbearbeitet". Wem das zu hart ist, der muss vor dem Kinosaal warten.

Dann kommt die Truppe in dem Dorf an und hier ist alles seltsam. Die Menschen sind "sauber". Höflich. Doch besonders fällt Carice van Houten als Anführerin des Dorfes auf. Sie ist blond, blass geschminkt, unnahbar und doch hat sie ein Interesse an Osmund. Der Zuschauer lernt schnell, dass in diesem Dorf niemand mehr an Gott glaubt. Ist das das Geheimnis, warum es hier nicht die Pest gibt? Immerhin ist die Pest eine Strafe Gottes. Wenn man aber nicht mehr an ihn glaubt ...? Oder erweckt die Dorf-Chefin Langiva wirklich Tote? Ist das Dorf ein Zombie-Dorf?

Lange lässt uns Smith mit diesen Fragen im Hinterkopf alleine. Erst am Ende klärt er alles auf, was den Film schlagartig von "Horror" oder "Mystery" zu einem soliden, gut erzählten Stück um Glauben werden lässt. Am Ende — das hatte ihm der Pater im Kloster vor seiner Abreise noch prophezeit — kommt Osmund als ein völlig anderer Mensch zurück. Die Geschichte ist gut erzählt, macht Sinn, ist aber arg düster, was Black Death nicht zu einem Film für Jedermann macht.

Sean Bean spielt den Strenggläubigen überzeugend. Nichts Fanatisches, nur tief gläubig. Am Ende kommt eine Szene, wo sich alle aus der Truppe von Gott lossagen sollen — Bean hat den stärksten Glauben.

Black Death ist ein Film für die, die milden Kopf-Horror, gepaart mit Geschichtsstunde und schonungsloser Brutalität — so war das nun mal "damals" — sehen mögen. Alles verpackt in eine gute Geschichte um Glauben.

Abschließend: Ich bin ein großer Freund von Zusatzmaterial auf DVDs. Ganz groß! Im Rahmen des Fantasy Filmfests hatten wir die Chance Bonusmaterial live und in Farbe zu erleben. Nach dem Film kam Regisseur Christopher Smith noch eimal in den Saal und stand Rede und Antwort. Der sympathische Brite plauderte erfrischend von den Dreharbeiten, die in Ostdeutschland aufgenommen wurden. Er lobte die deutsche Filmcrew — weil hier jeder ein Film-Mensch ist. Ob Koch, Kabeljunge oder Ausleuchter — jeder hat Ahnung vom Film und konnte ihm nützliche Tipps geben. Anders als in England. Da sind das alles nur Arbeiter.

Die schönste Geschichte war die über die Vergabe der Schwerter. Smith wusste zu berichten, dass alle Schauspieler sich das größte Schwert greifen wollten — mit Ausnahme von Bean. Also musste der Regisseur mit einem System kommen: je höher das STARmeter eines Schauspielers auf IMdB, um so größer das Schwert. Bean erhielt — oh Wunder — das größte Schwert. :-)

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