Filmplakat Black Dahlia
7,5/10

„Hollywood fickt dich, auch wenn's sonst keiner mehr macht.“ (Black Dahlia, 2006)


Black Dahlia

Besprechung

Los Angeles, 1947: Die beiden ehemaligen Boxer Dwight Bleichert (Josh Hartnett) und Lee Blanchard (Aaron Eckhart) sind bei der Fahndung. Ein Traum wird für beide wahr, endlich keinen Streifendienst mehr. Blanchard macht Bleichert mit seiner Freundin Kay Lake (Scarlett Johansson) bekannt. Die Drei bilden ein harmonisches Trio. Blanchard hat Kay vor langer Zeit einmal gerettet, nun leben sie zusammen.

Während die beiden Cops auf der Suche nach einem Mörder sind, stoßen sie auf den Fall der “Black Dahlia” Elizabeth Short (Mia Kirshner). Die junge Frau wurde brutal entstellt und schließlich in zwei Hälften geteilt. Der Fall nimmt Blanchard sehr mit. Er ist versessen, schafft es, dass er und sein Kollege Bleichert von ihrem ursprünglichen Fall abgezogen und diesem Mordfall zugeteilt werden.

Während sich Blanchard zurückzieht und über den Fall brütet, geht Bleichert raus, um den Mörder zu finden. Ein Tipp führt ihn auf die Spur eines jungen Mädchens, das mit dem Opfer in Verbindung gestanden haben soll. Dabei stolpert der junge Polizist über die mysteriöse und äußerst reiche Madeleine Linscott (Hilary Swank).

Außer Bleichert scheint jeder in L.A. ein dunkles Geheimnis zu haben. Im Laufe der Ermittlungen kommt Bleichert dahinter, dass Short eigentlich eine Schauspielerin werden wollte, dann jedoch in der Porno-Branche landete. Aber wer hat sie so bestialisch umgebracht und warum?

Meinung von

Black Dahlia basiert auf dem gleichnamigen Roman von James Ellroy, der wiederum sei Buch auf den wahren Begebenheiten der ermordeten Elizabeth Short aufgebaut hat. Wir haben also einen Thriller, verpackt als Film Noir, basierend auf historischen Ereignissen vorliegen. Black Dahlia ist der erste Roman aus dem so genannten L.A.-Quartett. Der dritte Roman wurde bereits 1997 als L.A. Confidential verfilmt.

Regisseur Brian De Palma liefert mit Black Dahlia einen wunderbar dichten, filmisch, wie thematisch düsteren Film Noir ab. Tatsächlich ist die Thematik des Films so düster, dass man Schwierigkeiten hatte, eine Finanzierung zu finden.

In Black Dahlia laufen viele Handlungsstränge zusammen. Es ist kein "Oh, eine Tote, lass uns den Fall aufklären"-Film. Der eigentliche Mord passiert sogar erst verhältnismäßig spät im Film. Immerzu wird eine Geschichte erzählt, die dann scheinbar nichts mit der nächsten Geschichte zu tun hat. Erst am Ende wird das Geschichtsknäuel entwirrt und für den Zuschauer aufbereitet.

De Palma benutzt für ihn typische Kamerafahrten, teils mit langen Einstellungen ohne Schnitt. Wenn Bleichert der Familie von Madeleine vorgestellt wird, ist die Kamera Bleichert: sie bewegt sich vor zu Person A, zurück, dann zu Person B … Man ist mittendrin. Dabei wird auf diese nervige Wackelkameras verzichtet, die so mancher Regisseur mittlerweile mit großer Freude einsetzt. Ruhige Kameraeinstellungen, ein interessanter Schwenk von einem Schauplatz mit Bleichert und Blanchard vor einem Haus, über selbiges, auf die Rückseite, wo die Leiche von Elizabeth Short gefunden wird. Das ist schon gekonnt choreografiert. Die Hauptdarsteller sind alle gut. Harnett ist der ehrliche Cop, Eckharts Figur hat eine dunkle Vergangenheit und macht krumme Geschäfte nebenbei, wie es scheint. Später ist er besessen davon, den Mörder von Elizabeth zu finden. Zusammen mit der vagen Vorgeschichte zwischen ihm und Kay, ahnt man, dass er einen starken Beschützerinstinkt hat. Er will etwas wieder gutmachen. Das kommt deutlich herüber.

Black Dahlia ist keine leichte Kost. Man muss genau aufpassen, sonst ist man bei der Aufklärung etwas verloren. Vielleicht ist es diese Komplexität, vielleicht ist es aber auch das morbide Thema, dass Black Dahlia kein so großer Erfolg in den Kinos war. Wer Film Noir mag, wem eine spannende Geschichte gefällt - dem sollte der Film eigentlich Sehfreude bereiten.

Eine wichtige Rolle in Black Dahlia nimmt die Victor Hugo-Verfilmung Der Mann, der lacht ein. Geschickt wird der Stummfilm zunächst in die Handlung eingewoben, dann später gar als Aufklärung für den Fall herangezogen. Ein so schöner, wenn auch trauriger Film wie Der Mann, der lacht soll für die Begründung des Mordes an Elizabeth Short herhalten? Wie gemein. Und doch ein geschickter Schachzug von Drehbuch-Autor Josh Friedman.

hoch