Filmplakat Banklady
6/10

„Nicht träumen. Wahr machen!“ (Banklady, 2013)


Banklady

Besprechung

Die unscheinbare, schüchterne Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) arbeitet in der Altonaer Tapetenfabrik und lebt noch bei ihren Eltern. Ihr Mitarbeiter Uwe (Andreas Schmidt) macht ihr Avancen, kann aber nicht bei ihr landen. Anders sein Bekannter Peter (Charly Hübner). Der sagt auch schon mal “schöne junge Frau” zu ihr.

Gisela ist ganz angetan von diesem wilden, aufregenden Peter. Sie kommt dahinter, dass Uwe und Peter eine Bank überfallen wollen, doch Uwe kneift. Sie will es machen! Peter gibt ihr eine Chance und sie stellt sich nicht dumm an. Von nun an wird sie in der Presse als die Banklady geführt. Das hat es noch nicht gegeben: eine Frau als Bankräuberin! Gisela Werler wird somit Mitte der 1960er die erste Frau, die eine Bank überfallen hat.

Alles läuft prima. Die leise Gisela wird immer munterer, und obwohl Peter noch sagte, keine Schnulzen, also keine Liebelei, verliebt sich Gisela in Peter.

Derweil nimmt die Polizei die Verfolgung auf. Vorne an ist Kommissar Fischer (Ken Duke), dem das Leben durch seinen Vorgesetzten Kaminsky (Heinz Hönig) nicht leicht gemacht wird. Um so mehr muss sich Fischer anstrengen, um es seinem Boss zu zeigen.

Meinung von

Ich bin zwar alt, aber auch nicht so alt, als dass ich die Geschichte der Gisele Werler kennen könnte. Wir haben hier nämlich eine Geschichte vorliegen, die auf Tatsachen beruht. Gisela Werler gab es wirklich und sie war tatsächlich die erste Frau, die Banken überfallen hat. Gisela hat mit Peter - oder wie er wirklich hieß: mit Hermann Wittorff insgesamt 19 Banken überfallen.

Banklady ist nicht, wie man dem Trailer entnehmen könnte, eine Komödie. Es ist eine Biografie. Die 1960er waren noch nicht so farbenfroh und abgespact wie die '70er, man zehrte noch vom Krieg. Die Banken waren nicht gut gesichert und Gisela ein Mauerblümchen. Klar, sobald da mal einer sagt, dass sie schön sei, geht sie auf. Obwohl selber zunächst noch spröde, verliebt sie sich in Hermann/Peter und wird auch eifersüchtig. Die Figur wird sehr melancholisch und etwas "beschädigt" dargestellt. Charly Hübner hingegen spielt einen lebensfrohen Mann, der nicht auf den Mund gefallen ist. Die Zwei könnten nicht unterschiedlicher sein.

Der Anfang von Banklady zieht sich etwas hin. Regisseur Christian Alvart geht zu sehr auf die Psyche von Gisela ein. Erst als Peter das erste Mal bei Gisela durchs Fenster steigt, kommt Schwung in die Bude. Gisela hingegen kam etwas nervig rüber.

Die Beiden überfallen also Banken. Sie will nach Capri, er nach München — oder weiter südlich. Ja, warum nicht Capri? Aber dafür muss mehr Geld her. Ihr finaler Coup, die Landeskasse in Segeberg, soll dann auch ihr Untergang gewesen sein. Es wurde alles zu heiß, für Gisela und Hermann, da musste ein großes Ding her.

Am meisten hat mir an Banklady gefallen, dass er in Hamburg spielt. Die Sprache ist typisch, da wird Mein Mädchen oder Meene Kleene aber auch von ins Höschen schiffen gesprochen. Das klingt alles so schön nach Hamburg. Die Bauten sind aus herrlichem Backstein, überall stehen VW Käfer rum und R4s fahren durch die Stadt. Das 60er-Jahre-Feeling kommt bestens herüber. Ziemlich am Anfang sehen wir den Mönckebergbrunnen, ohne Kaffee-Schnellkette im Hintergrund, dafür mit Straßenbahn auf der Mönckebergstraße. Klar, computeranmiert - aber toll anzusehen! Da haben sich Leute wirklich Mühe gegeben. Und das kommt (bei mir) gut an!

Interessant zu sehen, dass Christian Alvart, der zuletzt als großen Film Pandorum drehte, sich nun mit einem so typischen, deutschen Film abgibt. Das war übrigens auch ein Eindruck, den wir beim Verlassen des Kinos hatten: Ein typischer, deutscher Film. Es ist das übliche Tempo und die übliche "Schwere" der Charaktere. Vielleicht wurde Alvart durch zu viele Regie-Jobs beim Tatort versaut. Kann auch sein, dass die Öffentlich-Rechtlichen (NDR, ARD und arte waren Co-Produzenten) die Finger zu sehr im Spiel hatten. Wer weiß das schon?

Also, um etwas über ein kleines Stück deutscher und Hamburger Geschichte zu erfahren, kann man sich gerne Banklady anschauen. Da ich keinen Tatort schaue, könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Tatort-Fan sich ebenfalls wohlfühlen dürfte. Deutsch halt …

Klarer Gewinner ist übrigens Charly Hübner.

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