Filmplakat Bad Samaritan – Im Visier des Killers
9/10

„I will correct you!“ (Bad Samaritan – Im Visier des Killers, 2018)


Bad Samaritan – Im Visier des Killers

Besprechung

Sean (Robert Sheehan) und Derek (Carlito Olivero) sind zwei nette Typen aus Portland. Abends verdienen sie sich ihr Geld mit ihrem eigenen Parkservice. Und als Diebe. Sie fahren abwechselnd zu den Kunden, in deren Wagen und entwenden eher Kleinkram, damit es nicht auffällt.

Bei einer Tour, die Sean macht, steigt er ins Haus des arschigen Cale Erendreich (David Tennant) ein. Schönes Haus, ein bisschen steril, aber es gibt ein paar Dinge zu stehlen. Sean kann nicht widerstehen und geht auch in das vermeintliche Büro rein. Hier findet er eine junge Frau (Kerry Condon) gefesselt, geknebelt und geschlagen auf einem Stuhl vor. Da er sie nicht retten kann, macht er sich vom Acker.

Später ruft er die Polizei an – ohne Erfolg. Er geht sogar zur Polizei – immer noch ohne Erfolg. Die Frau ist verschwunden. Es stellt sich heraus, dass Cale Sean immer mindestens fünf Schritte voraus ist. Cale geht zum Gegenangriff über.

Meinung von

Man nehme zwei sympathische Typen und lasse sie dumme Sprüche klopfen. Das ist schon mal ein guter Start für einen Film und als Einführung der Charaktere. Sean ist ein begabter Fotograf, liebt seine Freundin Riley (Jacqueline Byers) und – sagen wir es mal – ist noch in der Findungsphase, was sein Arbeitsleben anbelangt. Er ist ein verdammter Dieb. Aber ein Dieb mit Gewissen. Während Derek auch die nette Familie mit den zwei Kindern ausraubt, hätte Sean das nicht gemacht. Aber bei dem schnöseligen, bissigen, überaus unangenehmen Maserati-Fahrer macht Sean gerne eine Ausnahme.

Dann der Schock, als er die gefesselte Frau vorfindet. Er kann ihre Ketten nicht aufbrechen. Die Befreiungsaktion wird dadurch erschwert, dass Cale sein Haus komplett vernetzt hat. Während er auf seinen Wagen wartet, klinkt er sich übers Mobiltelefon ein und betrachtet seine Beute. David Tennant war für mich der beste Doctor Who-Darsteller. Sein Doctor war lustig, spritzig, kindlich neugierig. In Bad Samaritan spielt Tennant mal so gar nicht lustig. Seine Darstellung ist angsteinflößend.

Cale ist überaus intelligent, schweinereich und extrem gestört. Er hat eine gewisse Fixierung auf Pferde und aufs "Einreiten", beziehungsweise aufs "Brechen". Das hat er auch mit Katie vor, die er in seinem Büro angekettet hat. Sean findet in einem Nebenraum der Garage noch eine … wie soll man es sagen … Fleischerei. Da ist der Tisch mit Plane, die Kettensäge, die Messer, die Abfalleimer …

Auch wenn Sean bisher viele Dinge falsch gemacht hat: Diesmal muss er das Richtige tun. Er muss diese ihm unbekannte Frau retten. Doch niemand von der Polizei will ihm glauben. Das hängt jedoch auch damit zusammen, dass Cale weiß, dass irgendwer ihm auf der Spur ist. Also trifft er alle erdenklichen Vorbereitungen. Cale ist verdammt schlau. Gegen diesen Gegner anzukommen ist wahnsinnig schwer.

Sobald wir Tennant das erste Mal sehen, ist Bad Samaritan nicht mehr lustig. An einigen Stellen hat der Film so viel Spannung, dass ich mich an einen guten, alten Hitchcock-Streifen erinnert fühlte. Cale ist als Gegner extrem gefährlich. Erst im Laufe des Films sehen wir seine Fassade das eine oder andere Mal bröckeln. Doch er fängt sich stets. Sein Kopf ist eine kalte Rechenmaschine. Ein Herz hat er nicht.

Damit haben wir zwei wunderbar komplementäre Antagonisten. Sean der impulsive, warmherzig Typ und Cale der berechnende, eiskalte Mörder. Wenn Cale herausgefunden hat, wer hinter ihm her ist, macht er sich daran Sean, alle seine Freunde und seine Familie zu zerstören. Das macht er so mies und so zeitgemäß, das ist wahrlich erschreckend.

Bad Samaritan ist spannend und hat sogar die Leute am Ende zum Klatschen animiert, so gut ist der. Wer mal wieder einen verdammt gut gemachten Thriller sehen möchte, dem sei Bad Samaritan ans Herz gelegt.

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