Filmplakat Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy
8/10

„Time to musk up.“ (Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy, 2004)


Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy

Besprechung

Die 1970er waren eine ehrliche Zeit, ein Mann war noch Mann, stand zu seinem Schnauzbart, die Rollenverteilung war glasklar und Aftershave war ebenso wichtig wie der richtige Anzug. Ron Burgundy (Will Ferrell) ist Nachrichtensprecher beim San Diego-Sender Channel 4. Er ist der Beste! Er ist ein Frauenheld, ein Teufelskerl durch und durch. Er hat ein starkes Team, bestehend aus dem Außendienst-Reporter Brian Fantana (Paul Rudd), dem Sport-Reporter Champ Kind (David Koechner) sowie dem Wetter-Mann Brick Tamland (Steve Carell) — der zugegeben etwas schwach im Hirn ist.

Die Welt steht Ron offen, bis eines Tages die junge Veronica Corningstone (Christina Applegate) im Sender auftaucht. Sie will Co-Nachrichtensprecherin werden. Zunächst bekommt sie jedoch lächerliche Reportagen angehängt. Geht ja nicht an, dass eine Frau einen so wichtigen Job übernimmt wie das Sprechen der Nachrichten. Das sehen auch Ron und seine Crew so, obwohl Ron sich gleichzeitig zu Miss Corningstone hingezogen fühlt. Eine missliche Lage.

Als Rons Hund Baxter von einem durchgeknallten Rocker (Jack Black) von einer Brücke gekickt wird, bricht für Ron alles zusammen. Das ist der Grund, warum Veronica auf dem Nachrichtensprecher-Sessel Platz nimmt. Ron kann es nicht glauben. Jetzt hat er doch eine Frau an seiner Seite. Er fühlt sich in seiner Männer-Ehre gekränkt, er wurde betrogen, vorbei mit den warmen Gefühlen für Veronica. Jetzt ist Krieg angesagt. Bis Ron seinen Job ganz verliert …

Meinung von

Bitte nur im englischen Original anschauen! In der deutschen Synchronisation konnte ich mir nur ein paar Mal ein müdes Zucken der Mundwinkel abringen. Im Original habe ich Tränen gelacht. Anchorman ist absolut alberner Kram - eben Will Ferrell. Neben dem ehemaligen Saturday Nicht Live-Komiker treten auch noch diverse andere SNL-Stars auf. In Anchorman ist alles übertrieben, niemand nimmt das alles ernst. Ron Burgundy und seine Kumpels sind absolute Chauvis, wichtig sind die Einschaltquoten.

Thema Einschaltquoten führt zu einer wahnwitzigen Schlacht zwischen diversen TV-Sendern und ihren Teams. Hier sehen wir einen Haufen Gastauftritte (Ben Stiller, Luke Wilson, Tim Robbins), die sich alle in bester West Side Story-Manier prügeln. Obwohl … da sieht man auch ein wenig Planet der Affen. Also ein wilder Mischmasch aus allem.

Schaut man sich den Film im Original an, dann hat man - zu Recht - den Eindruck, dass ganz viel improvisiert ist. Das macht dann auch den Witz aus.

Man hat eine Story, ist also nicht so, dass Anchorman keine Geschichte hätte, aber um ehrlich zu sein, ist das alles sehr hanebüchen und durchgeknalllt … Die Schauspieler hatten ihren Spaß, ich auch. Man darf kein Shakespeare erwarten, sondern verrückte WIll Ferrell-Komik: übertrieben, immer anzüglich.

Durch seine Art hat es Anchorman bei "Kennern" zum Kult-Status geschafft. Ein Klassiker ist der Ausspruch von Ron: Stay classy, San Diego!

Ja, irgendwo unter all dem Klamauk kann man Anchorman auch so was wie einen Emanzipationsfilm nennen. Irgendwie. Mit Fantasy.

Ich denke, wenn man nicht gerade ein durchgeknallter Moviejunkie ist, dann dürfte Anchorman seine beste Wirkung unter leichtem Alkoholeinfluss haben.

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