Filmplakat An einem Tag wie jeder andere
7/10

„Ihnen macht diese Quälerei Vergnügen! Sie sind brutal. Unmenschlich. Gemein. Gemein!“ (An einem Tag wie jeder andere, 1955)


An einem Tag wie jeder andere

Besprechung

Ein ganz gewöhnlicher Vorort von Indianapolis, eine ganz gewöhnliche Familie. Eines Tages, alle Mitglieder der Familie Hilliard sind außer Haus – bis auf Mutter Ellie (Martha Scott) – steht der Schwerverbrecher Glenn Griffin (Humphrey Bogart) vor der Tür. Er ist gerade zusammen mit Bruder Hal (Dewey Martin) und dem schwergewichtigen sowie sehr brutalen Sam Kobish (Robert Middleton) aus dem Gefängnis ausgebrochen. Das Trio sucht einen Unterschlupf. Das Haus der Hilliards war genau so gut wie jedes andere. Glenn erwartet seine Freundin, die ihm Geld für die weitere Flucht bringen soll. Als die weiteren Mitglieder nach Hause kommen, beginnt der Terror.

Die drei Verbrecher halten neben Ellie noch den Vater Dan (Fredric March) sowie die beiden Kinder Cindy (Mary Murphy) und Ralphe (Richard Eyer) in ihrer Gewalt. Dan will natürlich seine Familie beschützen, weiß aber auch, dass jeder Versuch die Männer zu überlisten, seine Familie in Gefahr bringt. Die Hilliards bleiben nicht einfach nur in den eigenen vier Wänden. Vater und Tochter müssen am nächsten Tag zur Arbeite, da das Geld nach einem Zwischenfall mit Glenns Freundin zu Dans Firma geschickt wird. Glenn macht es sehr deutlich: Sollte Dan die Polizei benachrichtigen, sollte diese vor dem Haus auftauchen, ist seine Familie tot.

Erschwert wird die Situation dadurch, dass Cindys Freund Chuck Wright (Gig Young) immer wieder auftaucht. Er will unbedingt mit Dan reden. Doch das würde alle nur in Gefahr bringen.

Meinung von

Humphrey Bogart in einer Schurkenrolle. Ein wenig erinnert sein vorletzter Film an Der versteinerte Wald, der Streifen, mit der einem breiteren Publikum bekannt wurde. Auch damals mimte er einen Flüchtigen, der Menschen festhält und auf seine Freunde wartet. Die Dynamik in An einem Tag wie jeder andere ist jedoch anders. Die Hilliards leben in einem Vorort, Vater und Tochter haben Jobs, der Jüngste geht zur Schule. Immer wieder gibt es Störfaktoren von außen, die die Ausgangslage brisanter machen. Hinzu kommt der eher minderbemittelte Sam, dem Glenn aus gutem Grund keine Waffe in die Hand drücken will.

Es kommt neben den Spannungen zwischen Geiselnehmern und Opfern auch zu Problemen zwischen Glenn und seinem Bruder.

An einem Tag wie jeder andere ist über lange Strecken recht ruhig, baut aber kaum merklich Spannung auf. Wenn der Deputy Sheriff Jesse Brad (Arthur Kennedy), der Glenn bei dessen Verhaftung vor vielen Jahren den Kiefer gebrochen hat, seinem alten Widersacher auf die Spur kommt, spitzt sich die Handlung zu. Man kann im wahrsten Sinne des Wortes sagen, die Schlinge zieht sich langsam zu – was der Zuschauer auch zu spüren bekommt.

Alle Schauspieler machen einen guten Job. Sogar der kleine Richard Eyer ist kein neunmalkluges, nerviges Kind, sondern passt sich gut dem Spiel der Erwachsenen an. An einem Tag wie jeder andere ist nicht der beste Film von Bogart, aber durchaus sehenswert. Man muss jedoch, wie oben angedeutet, eine gewisse Durchstrecke überwinden, bevor der Film spannend wird.

Ein interessanter Aspekt ist der, wenn der sonst so brave und ordentliche Familienvater durch die Bedrohung seiner Familie Glenn ins Gesicht sagt, dass er ihn, wenn er die Möglichkeit hätte, auch umbringen würde. Eine Aussage, die man Fredric March in diesem Moment abnimmt. Dan Hilliard wird am Ende eine geladene Waffe in der Hand haben … Und Glenn, der nichts mehr zu verlieren hat, macht eine entscheidende Handlung.

Bogart hat in An einem Tag wie jeder andere zum einen einen Tick. Er sagt immerzu Klicki-di-klicki-di-klick. Zum anderen zeigt Regisseur William Wyler auch, warum Glenn so einen Hass auf Dan und seine Familie hat. Solche Typen wie Dan, ordentliche Bürger, haben ihn einst verurteilt, obwohl sie ihn nicht kannten. Das hat eine Wut auf Anzugträger wie Dan verankert, die Glenn auch offen zur Schau trägt.

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