Filmplakat American Ultra
6,5/10

„Er war mit einem Löffel bewaffnet, Sir.“ (American Ultra, 2015)


American Ultra

Besprechung

Irgendwo in einem kleinen Kaff in West Virginia, da lebt der etwas tumbe Mike (Jesse Eisenberg) mit seiner Freundin Phoebe (Kristen Stewart). Für ihn ist Phoebe perfekt, wohingegen er sich selber als Loser ansieht. Das mag an seinem hohen Kanabiskonsum liegen. Er ist Stammgast im hiesigen Gefängnis, wenn er nicht in einem Drugstore arbeitet.

Nach einem gescheiterten Urlaub mit Phoebe – Max bekam wieder einmal eine seiner Angstattacken am Flughafen – soll sich sein Leben drastisch verändern.

Eines Abends kommt eine unbekannte Frau (Connie Britton) zum ihn in den Laden und faselt ihn mit Kauderwelsch voll. Sie entschuldigt sich anschließend und ist weg. Was Mike nicht weiß: das Gesagte hat etwas in ihm ausgelöst. Plötzlich weiß er wie man mit Waffen umgeht, Menschen kurz und schmerzlos ausschaltet. Außerdem ist er plötzlich sehr fokussiert. Fähigkeiten die ihm ziemlich gelegen kommen, hetzt der ehrgeizige CIA-Futzi Yates (Topher Grace) dem Kiffer doch eine ganze Armee auf den Hals. Und Max weiß gar nicht wie ihm geschieht.

Meinung von

Ließ der Trailer noch eine Mischung aus Stonerfilm und Actionkomödie vermuten, in der ein Schläferagent nicht richtig "funktioniert", weil er ständig zugedröhnt ist, ist der eigentliche Film doch mehr Actionfilm als eine Kifferkomödie. Hinter den Fähigkeiten Max' sowie hinter der gesamten Attacke auf ihn steckt eine durchaus vernünftig erzählte Geschichte. "Vernünftig" sollte man in Tüttelchen packen — versteht sich. Es geht um ein geheimes Gehirnwäsche-Programm der CIA namens Ultra. Das Programm gilt als gescheitert, der letzte Zeuge muss weg: Max.

American Ultra ist im klassischen Erzählstil aufgebaut – soll heißen er braucht lange, bis er in Fahrt kommt. Wer also eine rasante Actionkomödie erwartet, muss sich gedulden. Wenn Max jedoch loslegt und seine geheimen, ihm selber nicht bekannten Fähigkeiten an den Tag legt, dann ist das manchmal so schnell, dass man dem gar nicht folgen kann. Andere Kampfhandlungen sind dann wieder sehr plastisch – von der Art "Axt in Kopf" und so.

Der Streifen reißt – leider – nicht unbedingt vom Hocker, hat aber doch einige sehr schöne Idee und Witze, die ein angenehmes Gefühl von "Jupp, war ein schöner Männerabend. Gute Gewalt. Hö." hinterlässt. Ich war zwar enttäuscht, weil ich etwas anders erwartet hatte. American Ultra, aus der Feder von Max Landis, der bisher eher Kurzgeschichten geschrieben hat, ist jedoch, wenn man den Film Revue passieren lässt, eine ziemlich runde Geschichte. Es gab einen Moment, wo ich dachte Oh, da haben sie einen groben Schnitzer gemacht! Wie konnte Phoebe das wissen?, doch schnell wird die Lösung geliefert, die der Erzählung eine neue Wende gibt.

Jesse Eisenberg, der wie z.B. in Zombieland gerne für den schüchternen Kerl gecastet wird, spielt in American Ultra seine Rolle ordentlich. Er ist leicht trottelig, verwirrt, ängstlich. Das alles kann Eisenberg leicht darstellen. Allerdings gab es auch eine Szene, in der der New Yorker so grimmig und bedrohlich dreinschaute, dass ich sofort meine Bedenken, er könne niemals Lex Luther in Batman vs Superman spielen, davongewischt sah. Ich denke, die Rolle des Verbrechergenies und eiskalten Geschäftsmanns wird er gut ausfüllen können. Kristen Stewart, die ich eigentlich nicht mag, kommt ebenfalls angenehm daher.

Einer der Schergen, die auf Max angesetzt werden, Laugher (Walton Goggins), macht seinem Namen alle Ehre und ist ein wunderbar kaputter Psycho. Gefährlich und verrückt. So muss ein Gegner sein.

Topher Grace, der zuletzt in dem unglaublich schlechten Spider-Man 3 einen Bösewicht mimte, kommt in American Ultra auf seine Art und Weise böse daher. Seine Figur ist ein hinterhältiger, schleimiger Sesselfurzer, der sich bei der CIA mit krummen Touren nach oben gearbeitet hat. Wenn es aber brenzlig wird, versteckt er sich schnell hinter Anderen. Vor allem seine Szene am Ende des Films zeigt Grace als ekligen, unangenehmen Zeitgenossen.

Apropos Ende: Lange, so lange, war ich schon nicht mehr nach der Schlussszene im Sessel geblieben, um mir den Abspann anzusehen. Doch das animierte Ende von American Ultra ist es wert, dass man es sich anschaut: absolut durchgeknallt.

Wer eine verrückte Geschichte mit viel Gewalt sehen mag, der ist mit American Ultra gut bedient. Aber noch einmal: rasend schnell ist der Film nicht. Geduld muss mitgebracht werden. Der Film wird wohl – zumindest bei mir – als der Streifen in die Kinogeschichte eingehen, der den abgefahrensten Heiratsantrag zeigt ...

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