Filmplakat American Psycho
7,5/10

„... aber auf das Innere kommt es nicht an.“ (American Psycho, 2000)


American Psycho

Besprechung

Der 27-jährige Investment-Banker Patrick Bateman (Christian Bale) aus New York ist erfolgreich, wohlhabend und doch leer. Er legt unglaublich viel Wert auf sein Äußeres, er will “dazu gehören” und noch mehr, er will glänzen. Sein Leben und das Leben seiner Freunde und Geschäftspartner ist geleitet von Oberflächlichkeiten. Es geht nur um den Schein.

Patrick, der auch schon mal mit einem anderen Banker verwechselt wird, ist zutiefst gekränkt, als Paul Allen (Jared Leto) schönere Visitenkarten hat als er. So gedemütigt, ermordet Patrick den “rivalisierenden” Paul und täuscht eine Reise von Paul vor. Eines Tages steht aber der Polizist Donald Kimball (Willem Dafoe) bei Patrick auf der Matte. Er sucht Paul. Patrick kommt langsam in Schwierigkeiten.

In Schwierigkeiten kommt der narzisstische Bateman auch, weil er mittlerweile immer mehr Drogen nimmt, immer wildere und abscheulichere Sexparties feiert und weil seine Blutgier auch immer stärker wird. Er ermordet Obdachlose und Prostituierte. Einzig bei seiner Sekretärin Jean (Chloë Sevigny) kann er es nicht übers Herz bringen und sie ermorden. Wobei das nichts mit seinem Herzen zu tun hat, da dieses leer ist.

Schließlich ist der Strudel, in dem sich Bateman befindet, so stark, dass er seine Taten seinem Anwalt Harold Carnes (Stephen Bogaert) gesteht, doch der nimmt ihn nicht ernst.

Meinung von

Der Film basiert auf dem umstrittenen, sogar für einige Zeit auf dem Index stehenden, gleichnamigen Buch von Bret Easton Ellis. Regisseurin Mary Harron hat viele unnötige Details weggelassen. Gelesen habe ich das Buch nicht, aber ich hörte, dass Ellis sehr detailliert und sehr eklig die Sexqualen, die er den Frauen antut, beschreibt. Das wird im Film nur einmal angedeutet. Was klar herauskommt, ist die Besessenheit Batemans von sich und von seinem Bild, wie er herüberkommt. Wenn er einen Dreier hat, filmt er das, nur um sich dabei zu sehen, wie makellos und perfekt er doch ist.

Christian Bale spielt diesen extremen Charakter brillant. Er unterzog sich einer strengen Diät und einem Fitnessprogramm, um den perfekten Körper zu bekommen, den Patrick Bateman braucht. So perfekt wie Bateman sein will, so perfekt soll Bale gewesen sein. Er soll immer seinen Text gekonnt haben und wurde Robo-Actor genannt. Das braucht die Figur des Bateman auch. Wenn Bateman das Zittern bekommt, weil Allens Visitenkarte schöner ist als seine – schrecklich grandios anzusehen.

Bateman wird ebenso als narzisstisches wie auch als sadistisches und skrupelloses Wesen dargestellt. Der Film spielt im Jahr 1987, in einer Zeit, als Oberflächlichkeit regierte. Das klagt der Film auch an. Die scheinende Hülle Bateman will einerseits so sein wie alle, will dazugehören, aber er merkt auch, dass etwas fehlt, dass er die innere Leere irgendwie füllen muss. Da er außer Gier und Abscheu nichts empfindet, versucht er durch Drogen, Sex, Gewalt und Mord wenigstens irgendwas in dieses leere Gefäß zu bekommen. Soweit ist Bateman dann doch noch selbstreflektiert.

Wenn er jedoch am Ende seinem Anwalt alles beichtet und der ihn damit abspeist, dass er doch vor ein paar Tagen mit Paul Allen in London zu Mittag gegessen habe, fängt man an, an der Geschichte Batemans zu zweifeln. Sowohl Zuschauer als auch Bateman sind sich ab diesem Moment nicht mehr sicher, ob die Gewalt, die der Banker ausgeübt hat, real war oder nur ein Gehirngespinst. Selbst die Beichte ist kein Ausweg für Bateman aus seiner Misere.

Somit ist American Psycho ein seltsamer Film. Es gibt viel Gewalt zu sehen, es gibt einen Protagonisten, den man nicht wirklich mögen muss oder kann, aber gleichzeitig schaffen es Bale und Harron, Bateman als eine bemitleidenswerte Gestalt darzustellen. Man hasst Bateman nicht, weil schon gleich am Anfang darauf hingewiesen wird, dass man ihn eigentlich nicht mögen kann. So wird der Zuschauer nicht mit der Erwartung in den Film geschickt, man müsse Sympathien für Bateman hegen – und das wird dann auch bestätigt.

Ein Film – wie wohl auch das Buch – das nicht für Jeden etwas ist. Die Darstellung von Christian Bale ist jedoch ein Anschauen wert.

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