Filmplakat American Hustle
7,5/10

„Ich sollte niemals einer Frau die Wahrheit sagen.“ (American Hustle, 2013)


American Hustle

Besprechung

Ende der 70er Jahre ist Irving Rosenfeld (Christian Bale) auf dem Höhepunkt seiner Betrüger-Karriere. An seiner Seite ist die bezaubernde Sydney Prosser (Amy Adams), die er über alles liebt. Nebenbei sind sie auch Geschäftspartner. Sie nehmen fröhlich Leute aus, machen Scheckbetrug. Bis eines Tages der FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) in der Tür steht.

Das Gaunerpaar kann sich “freikaufen”, wenn sie Richie helfen, den Bezirks-Bürgermeister Carmine Polio (Jeremy Renner) dingfest zu machen. Der will eigentlich nur Atlantic City wieder aufbauen und sei es mit Glücksspiel. Richie wittert seine Chance. Der Bürgermeister muss korrupt sein. Den muss man überführen. Richie wird immer machthungriger.

Der Coup könnte klappen, wenn Richie nicht immer größenwahnsinniger werden würde. Zu allem Übel scheint sich Sydney auch noch in den FBI-Agenten zu verlieben. Die ganze Sache droht Irving zu entgleiten.

Meinung von

Regisseur David O. Russell hat uns zuletzt den Oscar-Gewinner Silver Linings präsentiert. Sein nächster Film ist auch schon wieder für zehn Oscars nominiert. Darunter bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin und die beiden männlichen sowie weiblichen Nebenrollen sind ebenfalls nominiert. Christian Bale spielt zumindest oscarwürdig. Sein Betrüger ist schmierbäuchig, hat kaum Haare und dennoch besitzt er ein großes Selbstvertrauen sowie Charme. Als Bonuspunkt kommt hinzu, dass er eben ein wahnsinnig guter Betrüger ist, der schlaue Einfälle hat. Seine Figur wird im Laufe des Films immer mehr gebrochen. Seine Liebe scheint ihm zu entgleiten. Dann macht ihm seine Ehefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence) das Leben noch unnötig schwer. Schließlich dieser duchgeknallte, größenwahnsinnige FBI-Agent. Das macht ihn immer zerbrechlicher und Bale spielt das klasse.

Oscar-Gewinnerin Lawrence hat zwar nur eine Nebenrolle, aber diese füllt sie wunderbar aus. Die verrückten Rollen sind nun einmal die dankbarsten. Meine Herren, die Frau hat echt 'n Knall! Sie verdrängt ständig die Realität und biegt sie sich so zurecht, wie es ihr passt, so dass sie am Ende stets als die Gute dasteht. Herrlich anzusehen ist ihre Putzorgie zu Paul McCartneys Live and let die.

Die Geschichte selber ist gut - aber nicht überragend. An einigen Stellen hätte Russell gerne etwas mehr Tempo einbringen können. American Hustle selber ist so aufgebaut, wie wir es alle (hoffentlich) in der Schule gelernt haben: ganz allmählich baut sich die Handlung auf, langsam kommt mehr Spannung auf, dann ein abruptes Ende mit Auflösung. In diesem Fall ist das Ende vielleicht ein wenig zu abrupt.

Immerhin schafft es Russell, der auch an der Geschichte mitgeschriebent hat, dass ich an manchen Stellen der Meinung war, jeder, aber wirklich jeder in dem Stück ist ein Betrüger, alle spielen gegeneinander und irgendwann fliegt alles auf. Ja, American Hustle hat seinen Twist am Ende, aber wie sagte doch MJ Thorsten so passend als der Abspann lief: Es kommt eben keiner an Der Clou heran. Damit hat er Recht. Der Clou ist natürlich der beste Con-Film.

Vor allem Bale und Lawrence haben mir vom schauspielerischen Aspekt gefallen. Die Klamotten und die Frisuren waren wunderbar eklig typisch 70er. Es gab einen kleinen Gastauftritt von Robert De Niro als - wer hätte es gedacht? - Mafioso. Nette Einlage. Ebenfalls schön war der Running Gag mit der Eisfischen-Geschichte von Richies Chef Stoddard Thorsen (Louis C.K.).

Würde American Hustle wie bereits erwähnt etwas straffer erzählt, hätte er mehr Punkte erhalten. Neben Sitzfleisch muss man auch Lust an einer solide erzählten Geschichte haben. Action ist hier nicht zu suchen.

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