Filmplakat Ärger im Paradies
8,5/10

„Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, mich um ihr Geld zu kümmern.“ (Ärger im Paradies, 1932)


Ärger im Paradies

Besprechung

In Venedig begegnen sich Lily (Miriam Hopkins) und Gaston Monescu (Herbert Marshall). Sie gibt sich als Kom­tes­se aus, er als Baron. Sie ist eine Taschendiebin und er ein Dieb im großen Stil. Es ist Liebe auf den ersten Schlagabtausch.

In Frankreich nisten sich die Beiden ein, doch die großen Coups bleiben aus. Lily wird etwas ungeduldig. Ihr juckt es in den Fingern. Da ergibt sich eine Chance: Die reiche Parfüm-Erbin Madame Mariette Colet (Kay Francis) geht mit ihrer extrem teuren Handtasche in die Oper, wo Gaston auf sie aufmerksam wird. Er stiehlt das gute Stück. Mariette Colet ist aufgelöst und lobt einen Finderlohn aus. Lily erkennt das Potenzial. Anstatt die Tasche zu verkaufen und nur einen Bruchteil des wahren Wertes zu erhalten, soll Gaston sie als Finder zurückgeben und die 20.000 France einstreichen.

Gaston gibt nicht nur die Tasche zurück. Er erschleicht sich auch das Vertrauen von Colet. Er wird ihr Privatsekretär. Gaston hat nämlich den Safe von Colet entdeckt und will die reiche Dame dazu bringen, einen Großteil ihres Hab und Guts dort zu deponieren. Dann räumt er ab und Lily und er können sich erst einmal zurückziehen. Doch langsam verfällt er Colet. Das gibt Ärger. Der kommt aber auch von einer anderen Seite. François Filiba (Edward Everett Horton), der zusammen mit einem Major (Charles Ruggles) um die Hand der schönen Colet buhlt, war in Venedig ein Opfer Gastons …

Meinung von

Ach, ich liebe solche Filme. Sie haben so viel Charme und Wärme. Ärger im Paradies trägt außerdem die typische Handschrift von Regisseur Ernst Lubitsch. Lubitsch zeigt Frivolität ohne sie zu zeigen. Er deutet viel an und überlässt es dann dem Zuschauer, das Gesehene oder das Gehörte zu vervollständigen. Was dabei heraus kommt, könnte man niemals direkt aussprechen oder zeigen, aber Lubitsch schafft es, Anspielungen einzustreuen, die einem die Ohren rot werden lassen.

Miriam Hopkins und Herbert Marshall geben ein wunderbares Paar ab. Sie sind unbeschwert, gewitzt, flink mit den Händen und ebenso schnell mit dem Mund. Gaston redet nicht nur Colet um den Verstand, er weiß auch jeder Gefahr mit einem schnellen, gekonnten Spruch auszuweichen und sie im Keim zu ersticken. Das richtet sich nicht nur gegen Monsieur Filiba, sondern auch gegen den Firmen-Vorsitzenden Adolph J. Giron (C. Aubrey Smith), der mit dem Gebaren von Madame Colets neuem Privatsekretär gar nicht zufrieden ist.

Überhaupt die Tatsache, dass die reiche Geschäftsfrau einen Sekretär hat, der so viele Macht über sie zu haben scheint – da steckt doch noch mehr dahinter? Das ist auch so ein Ding, das Ärger im Paradies so "prickelnd" macht. Der Streifen stammt immerhin aus dem Jahre 1932, damals ging so was gar nicht, dass sich eine Frau einen Gigolo hielt. Das findet übrigens auch Lily ...

Der Film sollte 1933 nach Deutschland kommen, wurde aber verboten. Man fand es nicht passend, dass Gauner ungestraft davon kommen können. Humor wurde damals in Deutschland abgeschaltet.

Ärger im Paradies ist eine wunderbare, leichte Komödie, die etwas frivol daherkommt und einen vorzüglichen Sonntagsnachmittagsfilm abgibt. Leider kennt den Streifen kaum jemand heutzutage. Humor ist im heutigen Deutschland auch etwas "schwierig" ...

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