Filmplakat A World Beyond
8/10

„Et ce­te­ra? Was für ein et ce­te­ra?“ (A World Beyond, 2015)


A World Beyond

Besprechung

Die Highschool-Schülerin Casey Newton (Britt Robertson) ist intelligent und gleichzeitig verträumt. Sie liebt die Sterne und da ihr Vater (Tim McGraw) bei der NASA arbeitet, die aber ihre Abschussrampen demontieren, sabotiert sie immer wieder die Baustelle. Das führt dazu, dass sie eines Abends eingebuchtet wird. Als sie wieder aus dem Gefängnis kommt, findet sie einen Anstecker unter ihren Sachen, der nicht ihrer ist. Mit diesem Button sieht Casey eine atemberaubende Zukunftswelt, sobald sie ihn berührt.

Casey will mehr wissen. Sie forscht nach und stößt auf einen SciFi-Laden, der diesen Button ankaufen will. Dort macht sie das erste Mal Bekanntschaft mit bösen Robotern. Robotern, die hinter einem kleinen Mädchen her sind, von dem Casey jedoch nichts weiß. Wie sich herausstellt, ist dieses kleine Mädchen Athena (Raffey Cassidy), die Casey ausgesucht hat. Der Button stammt von ihr.

Athena bringt die junge Frau zu einem gewissen Frank Walker (George Clooney), der überhaupt nicht gut auf Casey und noch viel weniger auf Athena zu sprechen ist. Frank kann Casey nach Tomorrowland bringen, doch der Weg dahin ist gefährlich.

Meinung von

Das nenne ich einen gelungenen Familien-Film. Der Film fängt mit einem Countdown an, der aber nicht erklärt wird. Dann erleben wir den jungen Frank (Thomas Robinson), der 1964 auf der Weltausstellung Athena kennenlernt. Sie gibt ihm ebenfalls einen Button und zeigt ihm die Welt von morgen. Danach lernen wir Casey kennen, bis Casey und Frank aufeinander stoßen. Von dort geht es rasend und lustig weiter.

Was bei A World Beyond auffällt ist, dass wir hier drei Kinder haben (Athena, den jungen Frank und Caseys Bruder Nate (Pierce Gagnon)) und keines dieser Kinder nervt! Normalerweise sind Kinder in Filmen bekanntlich nervig, kleine neunmalkluge Kotzbrocken, doch die Drei sind wunderbar gecastet und spielen sehr natürlich und sympathisch. Danke dafür.

Die Geschichte hinter A World Beyond entfaltet sich sehr langsam, aber nie langweilig. Schnell lernen wir, dass "die" "etwas" gebaut haben, das ganz schrecklich sei – aber was "das" ist, wird nicht verraten. Erst ziemlich zum Ende hin, wenn unsere drei Helden es nach Tomorrowland geschafft haben und sie hier auf Nix (Hugh Laurie) stoßen, wird der Nebel etwas gelichtet. Die glorreiche, schimmernde Zukunftswelt ist nicht mehr existent. Nicht so, wie Frank sie noch gekannt hat. Und es droht ein riesiges Unheil! Wie kann man dem begegnen, wie die Katastrophe abwenden? Deswegen hat Athena Casey ausgewählt und mit Frank zusammengebracht. Sie soll "es" fixen.

A World Beyond fällt aus dem Rahmen, schaut man sich an, was sonst alles im Kino läuft. Er ist ein unglaublich positiver Film. Regisseur Brad Bird zeigt uns eine utopische Welt, die geschaffen werden kann, wenn die Leute sich hinsetzen und Dinge erfinden, die uns voranbringen – unabhängig von Politik, Querelen oder Gier. Das mutet schon ein wenig wie eine Star Trek-Vision an. Nur nicht im Weltraum. Das, was da kaputt ist, ist unsere Gesellschaft, unsere Umwelt, unsere Kultur. Doch in A World Beyond kann man das nicht fixen und retten. Hier scheint der alte Optimismus und Heile-Welt-Charakter von alten Walt Disney-Filmen durch. Sehr ungewöhnlich in unserer heutigen Zeit.

Wie eingangs erwähnt, ist A World Beyond ein Familien-Film. Wir haben uns tatsächlich gefragt, für welches Publikum dieser Film wohl gedacht sei. Und da fiel nichts anderes ein als Familien-Film. A World Beyond ist für diejenigen, die noch Träume haben, die Hoffnung haben, die an das Gute glauben und bei einem Film, der genau das thematisiert, Spaß haben wollen. Spaß macht der Streifen.

Casey ist intelligent und optimistisch. Überall in der Schule wird sie bombardiert mit Horrormeldungen vom Untergang der Welt und dem Grab, das sich die Menschheit selber schaufelt. Doch sie will das nicht wahrhaben. Der junge Frank ist ebenso ein Charakter, doch der alte Frank ist mürrisch, pessimistisch und eigenbrötlerisch. Allerdings sieht er in Casey etwas, das "es" fixen könnte. Der Spaß kommt, wenn Frank all seine coolen Erfindungen herausholt, wenn die ewig grinsenden Roboter Jagd auf die Menschen machen oder wenn der Eifelturm in die Luft geht. Das ist alles so liebevoll umgesetzt, dass beim Zuschauen schon das Herz aufgeht.

Gefallen haben die Tricks, bis auf die, wenn die Protagonisten auf einer Scheibe durch die Zeit fliegen. Das schaut tricktechnisch sehr billig aus. Normalerweise bin ich überhaupt kein Freund von Rülps-Witzen. Die sind billig und ordinär. Doch wenn Casey nach einem Teleporter-Vorgang so gut wie keinen Blutzucker mehr hat und deswegen zwei Cola-Flaschen austrinkt, dann sind die Geräusche, die sie im Hintergrund macht sehr charmant und natürlich. Sie ist dabei sehr damenhaft. Hat hiermit ein Moviejunkies-Grünes-Licht erhalten.

Und es wäre nicht Pixar-Brad Bird, wenn er nicht auch einen Mr. Incredible von Die Unglaublichen irgendwo (in dem SciFi-Laden) durch die Gegen purzeln lassen würde …

A World Beyond ist vielleicht nicht für Jedermann etwas. Mir hat er gefallen und die Stimmung gehoben. Das nenne ich dann gutes Kino.

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