Filmplakat West Side Story

8/10

"Ich hab' noch nicht gelernt mit der Liebe zu scherzen. Und seit heute will ich's nicht mehr lernen." — West Side Story, 1961

West Side Story

Besprechung

In New Yorks West Side leben die beiden rivalisierenden Jugendbanden „Sharks“ und „Jets“. Die Jets sind alles Iren, Italiener, Polen und andere Einwandererkinder. Ihr Anführer ist Riff (Russ Tamblyn). Die Sharks hingegen, unter der Leitung von Bernardo (George Chakiris), sind Einwanderer aus Puerto Rica. Die Gangs sind sich Spinnefeind und es kommt immer wieder zu kleinen Scharmützeln. Nur der nervige Polizist Schrank (Simon Oakland) und dessen Mitarbeiter Krupke (William Bramley) sind beiden Gangs ein gemeinsamer Dorn im Auge.

Riff werden die Angriffe der Sharks zu viel. Er will die Fronten ein für alle Mal mit einem Krieg klären. Dazu soll am Abend beim Tanzball ein Kriegsrat einberufen werden. Riff holt noch den ehemaligen Jets-Mitgründer Tony (Richard Beymer) mit ins Boot. Der will eigentlich nicht, er hat abgeschlossen mit dem Gangleben und arbeitet für den alten Doc (Ned Glass) in dessen Bar. Aus Freundschaft kommt er doch zu dem Tanz. Hier lernt er Bernados Schwester Maria (Natalie Wood) kennen, die erst vor kurzem in die Staaten gekommen ist. Für die beiden ist es Liebe auf den ersten Blick – eine verbotene Liebe.

Die Spannungen schaukeln sich hoch, Tony schafft es wenigstens, die Banden dazu zu bewegen nicht alle gegen alle zu kämpfen, sondern einen fairen Zweikampf daraus zu machen. Zufrieden mit seiner Lösung geht er zu Maria, die aber um ihren Bruder fürchtet. Tony soll eingreifen und den Kampf komplett verhindern.

Meinung von

Der Choreograph Jerome Robbins hatte bereits 1949 die Idee zu einer zeitgenössischen Version von William Shakespeare Romeo und Julia. Er fragte Leonard Bernstein, ob er die Musik schreiben wolle. Die Idee zu "East Side Story" wurde vorangetrieben. Es ging ursprünglich um eine christlich-jüdische Liebe. Die Arbeiten wurden wegen Terminmangel eingestellt. 1955 schlug Bernstein vor, das ursprüngliche Liebesthema zu verwerfen. Es wirkt zu angestaubt. Stattdessen sollte die West Side Story die Konflikte zwischen Puerto Ricanern und US-Amerikanern aufgreifen. 1957 fand die Uraufführung statt.

Kurz darauf wurde das Filmprojekt in Angriff genommen. Jerome Robbins wollte Regie führen. Da der aber kein Erfahrung mit der Regiearbeit im Film hatte, stellte man ihm Robert Wise (Der Tag, an dem die Erde stillstand) zur Seite. Robbins sollte die Tanzeinlagen beaufsichtigen, Wise das Drama. Im Endeffekt soll Robbins seine Szenen immer und immer wieder gefilmt haben und damit das Budget und den Zeitplan gesprengt haben. Deshalb wurde er dann auch vorzeitig entlassen.

Die meisten der jungen Schauspieler waren unbekannte Gesichter. Am bekanntesten war Natalie Wood. Wie es damals üblich war, hatte man die Schauspieler für ... öh ... das Schauspiel und der Gesang wurde von Sängern eingespielt und später über die Tonaufnahmen des Films gelegt. Natalie Woods Stimme wurde durch die von Marni Nixon ersetzt, die so manchen Film gesungen hat – aber nie großartig erwähnt wird. Vor West Side Story sang sie zum Beispiel in Der König und Ich. Später war sie die Gesangstimme von Audrey Hepburn in My Fair Lady.

Leonard Bernstein schrieb die unglaublich schöne, mächtige und eingängige Musik zu diesem Musical. Die bekanntesten Stücke sind natürlich das herzzerreißende, schmachtende "Maria", das kecke "America", in dem sich die männlichen und die weiblichen Puerto Ricaner "zoffen". Außerdem sollte jedem, der Ohren hat, das sehnsuchtsvolle "Tonight" bekannt sein. Und auch das fröhliche "I Feel Pretty", in dem Maria von ihrer jungen Liebe schwärmt. Das sind Lieder, die muss man kennen. Wer die noch nie gehört hat, muss in irgendeinem Loch groß geworden sein. Das sind so wunderschöne Lieder, die einem sofort ins Bein gehen und die ewig im Kopf bleiben. Einige Liedtexte sind übrigens in der Filmversion anders im Vergleich zur Bühnenversion. Diese Texte wären nicht durch die Filmzensur gekommen.

West Side Story nimmt also das Thema von Romeo und Julia auf. Zwei junge Menschen aus verfeindeten Gruppen entdecken ihre Liebe zueinander. Nun ist West Side Story aber nicht angestaubt, auch hält sich die Handlung nicht an die alte Vorlage. Das wäre auch nur zu billig gewesen. Ich würde West Side Story mit "Romeo und Julia – weiter gesponnen" betiteln. Die Geschichte geht wirklich weiter. Sie ist aktuell – auch heute noch. Es geht um den sinnlosen Hass zwischen zwei Gruppen. Dieser Hass tötet am Ende Menschen. Völlig blödsinnige Tode, die dort zu beklagen sind. Beide Gruppen sind bis oben hin mit Testosteron voll gepumpt. Beide Gruppen fühlen sich von ihrer Umwelt ungerecht behandelt, weshalb sich diese Frustration in Aggression umwandelt. Dass der Ordnungshüter Schrank nicht wirklich gegensteuert, sondern in Wirklichkeit beide Gruppen hasst – macht die Sache nicht gerade besser.

Ich sage: Anschauen und genießen.