Filmplakat 96 Hours – Taken 3
2,5/10

„Dein Russisch ist scheiße.“ (96 Hours – Taken 3, 2014)


96 Hours – Taken 3

Besprechung

Eigentlich wollten sich Bryan Mills (Liam Neeson) und seine Ex-Frau (Famke Janssen) wieder einander nähern, doch dann findet er sie tot in seiner Wohnung vor. Die Polizei hält ihn für den Mörder und der ehemalige Geheimagent muss fliehen. Seine speziellen Fähigkeiten, die er in seinem einst ausgeführten Job gelernt hat, helfen ihm, der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Ihm auf den Fersen ist Franck Dotzler (Forest Whitaker).

Während Mills vor der Polizei flieht, versucht der knallharte Ex-Agent den wahren Mörder seiner ehemaligen Frau zu finden. Als zusätzliche Herausforderung muss Mills noch auf seine Tochter Kim (Maggie Grace) aufpassen. So ein Unterfangen, ein Kampf an mehreren Fronten, ist schwer, doch zum Glück hat er Unterstützung von seinen alten Agenten-Kumpels, allen voran Sam (Leland Order).

Meinung von

Der erste Teil (96 Hours) hat uns alle begeistert. Geradlinige Geschichte, ein Mann, ein Ziel – der geht gnadenlos durch die Reihen seiner Feinde. Beim zweiten Teil schmeckte das alles schon etwas fade. Wie bei solchen Trilogien so oft, müsste dann der letzte Teil wieder gut sein. Zumindest besser als der zweite Teil. Das ist bei Taken 3 nicht der Fall. Als ich den Trailer sah, waren die Erwartungen hoch – das würde bestimmt wieder ein knallharter Actionfilm werden mit einem bärbeißigen Liam Neeson.

Was abgeliefert wurde ist ganz magere, schlecht erzählte und mies umgesetzte TV-Krimi-Kost. Der Film hat nichts Neues zu bieten. Die Idee, dass unser Hauptprotagonist als Mörder seiner Frau dasteht und nun von der Polizei gejagt wird, kennen wir von Auf der Flucht. Sogar die Einstellung der Flucht in der Kanalisation riecht nach dem Harrison Ford-Streifen von 1993. Der Rest ist auch alles altbekannt — dabei aber nicht spannend oder gut umgesetzt, sondern als billiger Abklatsch alter Ideen. Taken 3 wirkt ein wenig wie ein Sammelsurium von alten Actionfilmenideen, die man wieder erkennt, wodurch der Film auch vorhersehbar wird.

Zunächst braucht Taken 3 extrem lange, um in die Puschen zu kommen. Regisseur Olivier Megaton lässt sich sehr viel Zeit, bis auch nur mal irgendwas interessantes passiert. Wir wollen einen Actionfilm sehen und kein Drama, in dem Zeit darauf verwendet wird, das Innenleben eines alt gewordenen Mannes zu zeigen. Auch die Aktion mit der Schwangerschaft von Kim — interessiert kein Schwanz. Langweilig! Mal abgesehen von dem oberkitschigen Ende, das sich auch noch einmal auf die Schwangerschaft bezieht.

Whitaker, der bekanntlich ein guter Schauspieler ist (Zulu, Der letzte König von Schottland) kommt in Taken 3 sehr blass daher. Er grinst ständig debil, soll aber wohl ausdrücken, dass er gerade eine tolle Idee hatte. Und nur er ist in der Lage, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen – z.B. den Fluchtweg von Mills zu entdecken. Kein anderer Polizist außer ihm ist dazu im Stande. Die anderen Polizisten sind auch so ein Ding: die laufen alle immer im Pulk herum, super spannend und angestrengt. Nee. Was es am Ende mit der Springer-Figur aus dem Schachspiel auf sich hat, mit der Dotzler immer herumspielt – keine Ahnung was das sollte. Da wollte man der langweiligen Figur des Cops wohl noch etwas interessantes verpassen. Hat nicht geklappt.

Neben Längen hat der Streifen auch Unlogiken — Mills hat Leute getötet, Menschen im Verkehr geschadet und was-weiß-ich, aber am Ende lässt der Polizist ihn mit einem "das haben sie schön gemacht" laufen. Ach, noch einen männlichen Händedruck bitte und da ist die Tür …

Vermutlich wusste Megaton auch, dass sein Film stinken-langweilig ist, weshalb er ihn dann versucht hat aufzupeppen, in dem jede Actionsequenz extrem wild gefilmt wird. Frei nach dem Motto "Oh, da passiert mal was, da läuft einer oder man prügelt sich – okay, ganz viele Schnitte, plus Wackelkamera! Das muss helfen." Das hilft nur, wenn man mal wieder Erbrechen möchte. Das ist so ein wildes Durcheinander von Einstellungen und Bewegungen, dass einem nur schlecht werden kann. Einmal davon abgesehen, dass man kaum etwas erkennt von dem, was da gerade auf der Leinwand passiert, weil das alles verschwimmt. Das machen sie zwar (fast) alle heutzutage, aber in Taken 3 ist es richtig schlimm.

109 Minuten läuft der Film, doch sie kommen einem viel länger vor. Das waren 109 Minuten meines Lebens, die ich gerne anders genutzt hätte.

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