Filmplakat 25 Stunden
8/10

„Der hat sieben Jahre Hölle vor sich. Soll ich ihm da Glück wünschen?“ (25 Stunden, 2002)


25 Stunden

Besprechung

Monty Brogan (Edward Norton) hätte alles werden können, doch er entschied sich schon vor langer Zeit dafür, Drogen zu verticken. In New York gibt es auch genügend Abnehmer dafür. Doch mit dem süßen Leben in Saus und Braus ist es nun vorbei. Monty hat noch einen Tag, dann muss er ins Gefängnis. Irgendjemand hat ihn verpfiffen. Nun heißt es sieben Jahre Knast. Ein weißer, dünner Kerl in einem harten Gefängnis. Klar hat Monty Schiss.

Nur noch einen Tag in Freiheit. Den verbringt Monty mit seiner Freundin Naturelle Riviera (Rosario Dawson) und seinen besten Kumpels, dem Broker Frank Slaughtery (Barry Pepper) sowie dem Lehrer Jacob Elinsky (Philip Seymour Hoffman). Außerdem hat ihm sein “Geschäftspartner” Onkel Nikolai (Levan Uchaneishvili) eine Feier in einem absolut angesagten Club ausgerichtet.

Ein Tag Freiheit, in dem Monty mit seiner Angst fertig werden muss, mit seinem Zweifel an der Loyalität von Naturelle und ein Tag an dem er Abschied von seinem bisherigen Leben nehmen muss.

Schnell kommt Verbitterung auf. Zorn über seine Kumpels macht sich breit, Monty scheint jeden zu hassen, auch seinen Vater James (Brian Cox), den er verlogen findet.

Meinung von

Wer mit ruhigen Filmen nichts anfangen kann, der ist mit 25 Stunden schlecht beraten. Denn der Film ist ruhig. Was sollten die letzten Stunden eines Typens, der ins Gefängnis geht auch actiongeladen sein? Hier wird intensiv auf die Charaktere eingegangen. Norton spielt ruhig, verzweifelt und ein bisschen apathisch. Er ist gut besetzt. Wie ein zum Tode Verurteilter wankt er durch seine letzten Stunden als freier Mann. Dabei schwebt immer die Frage über ihm, wer ihn verraten hat. Es nagt an ihm, dass er Naturelle in Verdacht hat. Er würde gerne mit ihr ins Reine kommen, bevor er ins Gefängnis geht.

Regisseur Spike Lee zeigt einfühlsam, was in Monty vor sich geht. Die Stadt New York spielt eine gewisse Rolle, aber rückt nicht allzu sehr in den Vordergrund. 25 Stunden spielt im Schatten der Anschläge von 9/11. Franks Wohnung, in der er und Jacob eine wichtige Unterhaltung über ihr Verhältnis zu Monty haben, schaut direkt auf Ground Zero. Man merkt die Verletzlichkeit der Stadt ebenso wie die von Monty — wenn auch aus völlig verschiedenen Gründen.

Als ich 25 Stunden das erste Mal sah, war ich schockiert, als Monty seinen Hass-Monolog auf der Toilette in der Bar seines Vaters hielt. Das ist einer der stärksten, kraftvollsten, emotionalsten und erschütterndsten Monologe, den ich in einem Film je gesehen habe. Norton bringt so verdammt viel Verachtung für die gesamte Welt, für die gesamte Stadt New York auf — unglaublich. Nur, um am Ende das Hass-Kartenhaus in sich zusammenbrechen zu lassen. Diese fünf Minuten sind es unbedingt wert, den Film zu sehen. Ebenso die Szene unter der Brücke, am Morgen nach der Party. Wenn er Frank um einen Gefallen bittet. Harter Tobak, der an die Nieren geht. Das ist eine gute, emotionale Geschichte, die uns Spike Lee präsentiert.

Zur Unterstützung der Stimmung trägt die Musik von Terence Blanchard entscheidend bei. Ein bisschen stört der "arabische Gesang" schon, aber unterm Strich passt alles.

25 Stunden ist keine leichte Kost. Man muss sich auf den Film einlassen. Die Rückblenden in Montys Leben sind nicht immer gleich als solche zu erkennen, was ein wenig verwirrt. Norton spielt klasse und immer wenn ich die Promenade am Hudson sehe, die mit den Bank-Reihen, muss ich an diesen Film denken.

Wie bereits gesagt, ist alleine der Monolog von Norton das Anschauen wert. Aber möglichst im Original. Die deutsche Synchronisation ist gut, aber das Original um Längen besser und intensiver.

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